Abenteuer Biscaya. . .


Die Biskayareise begann morgens mit dem Auftanken unserer knappen Tankkapazitäten (120 Ltr ).

Um 6.40Uhr ging’s dann richtig los. Der Zeitpunkt war so gewählt, daß noch einige Stunden der Strom aus der Brester Bucht hinaus lief. Der Wind aus WNW ließ noch auf sich warten. So fuhren wir die ersten 30sm unter Großsegel und Maschine mit ca. 5kn in die Biskaya, vorbei an den vorgelagerten Felsriffen und bei zunehmend quersetzendem Küstenstrom.

Bald sahen wir auch die ersten Delfine. Spielerisch tauchten sie mal Bb und mal Stb auf. Tauchten unterm Rumpf durch, drehten sich dabei um die eigene Achse und sprangen auf der anderen Seite wieder aus dem Wasser. An diesem Treiben konnten wir uns gar nicht satt sehen.



Mit zunehmender Entfernung von der Küste wurden sie seltener. .

Durch den im Winter installierten Tagestank (In diesen höher gelegenen Zusatztank wird der Dieselkraftstoff mit einer Zusatzpumpe gefördert. Von dort läuft er über Zusatzfilter zur Maschine) konnten wir den Verbrauch recht präzise ermitteln: 12,6 Liter in 6 Std. = 2,1 Ltr/h

Unsere Gedanken über die mögliche Reichweite wurden um die Mittagszeit zerstreut, da der vorher gesagte WNW-Wind sich endlich durchsetzte und wir ohne Dieselwind direkten Kurs auf A Coruna laufen konnten. Kurs 208 Grad ergab bei den Windverhältnissen einen schönen Halbwindkurs (der scheinbare Wind kommt querab unter ca. 90 Grad). Von nun an lief es am ersten Tag richtig gut. Wir haben die Windsteueranlage in Betrieb genommen und von Zeit zu Zeit den Batterien mit dem Wassergenerator eine Frischekur verpasst. Der vorher gesagte bewölkte Himmel hielt den ganzen Tag durch. Mit dem ztw. auf 5 Bft aufbriesenden Wind nahm auch der Seegang zu. War alles harmlos, denn die Faurby lief mit ca. 7 kn durch die von der Seite anlaufenden Wellen.

Gegen 23.00 Uhr (nach 100sm) hatten wir den Sockel erreicht, wo der Grund von 150 auf 4000m ziemlich rasant abfällt. Dieser Bereich ist für seine hohen, brechenden Wellenberge berüchtigt. Bei den moderaten Bedingungen, die wir vorfanden, haben wir davon nichts bemerkt.

Sonnenuntergang 1. Abend

Vor Einbruch der Dunkelheit haben wir noch ein Reff ins Großsegel gebunden, um für eine evtl. Windzunahme gerüstet zu sein. Zu dieser Zeit rauschten wir mit 8 kn über Grund in die bevorstehende Nacht.

Es wurde eine stockfinstere Nacht. Dank Bewölkung und bevorstehendem Neumond (kleinste Sichel) war nichts zu sehen. Der ursprüngliche Plan, nachts die Geschwindigkeit deutlich zu reduzieren, wurde fallen gelassen. Dank AIS wußten wir, daß weit und breit kein Schiff in der Nähe war. Fahrwassertonnen gabs auch keine. Und Fischer hatten wir nur im Küstenbereich gesehen.

Ein Restrisiko bestand natürlich. Die Gedanken gingen von „All is lost“ bis zu den im Winter installierten „Crashboxen“ im Vorschiffsbereich (speziell abgedichteter Bereich, der ein schnelles Sinken des Bootes nach einer Kollision verhindern bzw verzögern soll). Man hatte während der 3 stündigen Wache viel Zeit zum Denken. Irgendwann kam dann die Phase, wo die eigene Müdigkeit stärker wurde und einem für kurze Minuten die Augen zu fielen. Gut, dass der oder die Wachfreie unter Deck in dieser Nacht gut schlafen konnte.

Dörte erlebte diese Wachezeiten ganz anders. Sie war voll Adrenalin und an kurze Nickerchen während der Wache war nicht zu denken.

Gegen 6.00 Uhr begann die Morgendämmerung, es wurde endlich heller. Um 6.40 hatten wir die ersten 24 h geschafft, Etmal 159 sm. Da waren wir froh, die Nacht über nicht mit weiter reduzierter Segelfläche gefahren zu sein. So konnten wir die anfänglichen Motorstunden etwas kompensieren.

Der 2. Tag brachte leider weniger günstige Windbedingungen: Der Wind wurde weniger und drehte nördlicher. Diverse Versuche, das Boot mit unterschiedlichen Segelstellungen in Fahrt zu halten, endeten immer wieder kläglich. Seegang und Windstärke passten einfach nicht zusammen. Da gabs nur eins, wir brauchten Dieselwind. Bereits geringe Motordrehzahlen reichten, um Material und Nerven nicht unnötig zu beanspruchen.

Aber zumindest hielt sich Petrus an die Wettervorhersage von Sebastian Wache, Wetterfrosch im SCB. Der Himmel riss auf und die Sonne zeigte sich zwischen den Wolken.

Sebastian aktualisierte seine Vorhersagen täglich per SMS über Satfon.

Am Nachmittag des 2. Tages wurde die Eintönigkeit der weiten Biskaya durch einige Delfinsichtungen und 2 ganz in unsere Nähe gekommene Wale (?) unterbrochen. Das war wieder so ein beeindruckender Moment, für den man so weit gefahren war.

In Anbetracht, daß wir Wochenende hatten, hat uns der geringe Schiffsverkehr nicht gewundert.

Was das Kulinarische anging, hatte Dörte einige Mahlzeiten vorgekocht. Wir wußten ja nicht, welche Seegangsbedingungen wir vorfinden würden. So waren wir unterwegs gut versorgt.

Wir fuhren bei weiter nachlassenden Winden und alter Dünung ab 23.00 Uhr mit geborgenen Segeln, um wenigstens etwas Ruhe im Schiff zu haben. Trotzdem konnte man unter diesen Bedingungen nicht so erholsam ruhen.

Der wolkenlose Himmel brachte uns eine sternenklare Nacht. Einen solchen Sternenhimmel hatten wir seit langem nicht gesehen. In dieser Nacht war Dörte fit. Sie ging den größeren Teil der Dunkelphase Wache, während ich schlecht schlief. Es wurde immer wärmer, sodaß man es im Ölzeug nicht mehr aushielt. War auch nicht nötig, denn es war warm und trocken.

Gegen Morgen näherten wir uns dem spanischen Festlandssockel. Hier waren die Fischer aktiv. Die Boote waren hell ausgeleuchtet und fuhren alle ein orangenes Blinklicht. Viele hatten AIS an. Bei weiterer Annäherung schalteten auch die Letzten ihr AIS ein. Die meisten Fischerboote waren soweit weg, daß man die Positionslampen nicht erkennen konnte. Insgesamt war das Alles dank AIS sehr problemlos. Das Etmal des 2. Tages war erwartungsgemäß nur 135 sm.

Sonnenuntergang 2. Tag
Der Sonnenaufgang am 3.Tag

Ab 9.00 Uhr setzte sich langsam ein zunehmender NO Wind durch. Wir setzten bald die Segel und konnten endlich mit zunehmend 5 kn in Richtung unseres Zieles segeln. Einige andere Boote, die es eiliger hatten, konnten unsere Ruhe nicht stören. Es war ein Genuß, die letzten Meilen segeln zu können. Sonne, Wärme, wir hatten alle Zeit dieser Welt. Im Laufe des Nachmittags brieste es bis auf 5 Bft auf, sodaß die letzten Meilen nur unter Großsegel vor dem Wind zurück gelegt wurden.

Um 16.30 Uhr machten wir in A Coruna nach 341 sm im Yachthafen fest, glücklich diese bisher größte Herausforderung geschafft zu haben.

Unser besonderer Dank gilt Sebastian, der uns durch seine recht genauen Vorhersagen einige Sorgen genommen hat. . .

Wir nähern uns der Zufahrt nach A Coruna. .

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2 Gedanken zu “Abenteuer Biscaya. . .

  1. Hallo Dörte und Felix,
    Vielen Dank für Eure ausführlichen Berichte und die vielen Fotos!! Das macht Ihr ganz großartig!
    Unser Plan ist es, nächstes Jahr nach Frankreich zu segeln, wir wollen uns hauptsächlich in der Bretagne aufhalten, deswegen sind Eure Berichte von dort für u s besonders spannend. Das Jahr darauf wollen wir dort bleiben oder nach Portugal, danach wieder zurücksegeln. So ist der Plan, mal sehen ob es klappt.
    Weiterhin eine schöne Reise wünschen Euch
    Monika und Jürgen
    Wir haben 3 Fragen an Euch: 1. Was hast Du, Dörte vorgekocht? 2. Wie funktioniert Euer Strommanagement? 3. Wie sind Eure weiteren Pläne für dieses Jahr?

    Gefällt 1 Person

    1. Holla ihr 2,
      schön mal wieder von euch zu hören.
      Wir sind hier in Spanien total zufrieden und genießen die Wärme, die freundlichen Menschen, spanisches Essen und Wein.
      Zu euren Fragen:
      1. Dörte hatte einen Auflauf mit Kartoffeln, Gemüse, Speck, Zwiebeln und vielen Eiern vorbereitet.
      Vorher eingewecktes Paprikagulasch und separat gekochte Nudeln haben wir am 2. Abend gegessen.
      2. Für lange Segelstrecken haben wir einen Wassergenerator von Armin Horn (Sailinggen) an Bord. Der macht mehr Strom als wir benötigen. Allerdings nur wenn wir unterwegs sind. Im Winter werden wir noch Solarzellen installieren.
      3. Wir wollen das Boot in Portugal überwintern lassen und nächstes Jahr weiter. Wohin wissen wir noch nicht. Das lassen wir auf uns zukommen. Man trifft soviele interessante Leute. . .

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