Nebel und Monsterwellen. . .

Die Fahrt nach Figuera sollte eigentlich in Aveiro enden. Diese Flussmündung war eigentlich als Zwischenaufenthalt für eine Nacht gedacht. Wir hätten dort ankern müssen, weil so richtige Hafenplätze gibt es für vorüber fahrende Yachties nicht.

Als wir eigentlich den Kurs in Richtung Mündung hätten ändern müssen, lief es segeltechnisch gerade so gut. Außerdem sah man die an der Mole brechenden Wellen schon von weitem. Kurzum, wir entschieden gleich weiter zu fahren. Und das war auch richtig. Die Boote, die dort einen Zwischenaufenthalt nahmen, konnten am nächsten Tag im Nebel südwärts motoren.

Einen neuen Hafen anzulaufen ( hier Figuera da Foz ) ist immer wieder spannend. . .

Das neue Tagesziel war mental etwas vorbelastet. Dieser Hafen ist bei stärkeren Winden, insbesondere aus SW, oft gesperrt. Es kommt immer wieder zu Seenotfällen, weil SY oder Fischerboote die Lage falsch einschätzen oder die Sperrung nicht mitbekommen.

So geschehen z.B. auch in 2013. Als eine deutsche Yacht bei kräftigen SW Winden und 5-6m hohen Wellen bei der Hafenanfahrt kenterte, den Mast verlor und diverse Mitsegler über Bord gingen. Letztlich strandete die Yacht und ein Retter und ein Besatzungsmitglied ertranken.
Die Lage war bei NW-N Winden in unserem Fall eher unkritisch. Wir konnten den Hafen ohne Probleme anlaufen. Bis auf die uns entgegenkommende Hafenpolizei, die uns auf einen auslaufenden Frachter aufmerksam machte, dem wir Platz machen sollten. Danach haben wir das Groß geborgen.

Im Hafen trafen wir eine schwedische Yacht, Barbasol, eine Moody 44. Dörte erkannte die Besatzung gleich wieder. Wir hatten Karin und Hasse bereits 2014 in List auf Sylt und später in Thyborön getroffen. Nun waren sie auf einem längeren Törn. Hatten bereits ganzjährig auf dem Boot in Göteborg gelebt und dort die Zelte abgebrochen.
Ein anderer Liegeplatznachbar fiel uns auf, weil im Cockpit viele Dampfwolken aufstiegen.

Er war am Kochen. Auf Nachfrage erklärte er, regelmäßig Bier zu brauen. Er setzte jedesmal 10 Ltr. an. Diese mussten nachher noch eine Woche gelagert werden, sodass er immer mehrere Chargen an Bord hatte. Er ließ durchblicken, dass die Menge nicht reichen würde, da seine Frau auch mittrinken würde. . .

Unser Bier brauender Nachbar. . .
Yachthafen und Mondegobrücke im Hintergrund. . .
Der Uhrenturm am Praia da Claridade. . .
Der alte Leuchtturm kurz vor der nächsten Nebelwand. . .
Die Sehenswürdigkeiten von Figuera da Foz hatten wir bald gesehen. Nur Nebel hinderte uns zunächst an der Weiterfahrt.

Als der Wetterbericht dann eine einigermaßen sichtige Reise verhieß, wollten wir weiter.

Bereits die Ausfahrt von Figuera war anstrengend, da nichts zu sehen war. Wir waren froh bei handigem Wetter die Ausfahrt erreicht zu haben. Weiter draußen fühlten wir uns dank Radar und AIS ausreichend sicher, immer in der Hoffnung, der Nebel würde sich noch im Tagesverlauf lichten.

Das Ende der Reise war in Nazare geplant. Dies ist ein Surferparadies. Weil es hier die höchsten Wellen gibt, im Winterhalbjahr.

Wir hatten bis kurz vor Nazare Motorsegelwetter. Während wir das Groß bargen und zusammenlegten, wurden wir durch die Strömung soweit abgetrieben, das wir ohne Plotter die Hafeneinfahrt verpasst hätten. Dazu wurde der Nebel immer dichter und feuchter. Da freut sich der Brillenträger. Dank radikaler Kursänderung konnten wir schließlich, die Brandung konnten wir schon lange hören, erst die Steuerbordmole (Grüner Turm) und gleich danach den roten Turm der Backbordmole im Nebel erkennen. Das Wegdrehen des Vorsegels geschah erst im Vorhafen in ruhigem Wasser.

Kurz vor Nazare wird der Nebel dichter. . .
Es ist geschaft, wir haben die Einfahrt gefunden und der Nebel lichtet sich. . .
Ohne GPS hätten wir nicht losfahren dürfen.

Im Hafen erwartete uns Dody bereits am Steg, nahm uns die Leinen ab und begrüßte uns ganz herzlich. Wir hatten dank Internet, TO und Email schon vorher Kontakt gehabt und sie über unsere Ankunft informiert. Da hatte der Hafenmeister im benachbarten Yachthafen das Nachsehen.

Wir waren nun in Dody-Harbour.

Dody empfängt uns herzlich. . .
Reinigten unseren Schwimmsteg vom Möwendreck und lagen erstmal gut zwischen Fischerbooten und einigen Langzeit-Hafenliegern.

Dody liegt hier schon seit einigen Jahren mit ihrem Boot an Land und macht eine Grundüberholung für das Boot. Alle Achtung!

Wir gingen abends zusammen essen, trafen unsere Schweden von der Barbasol noch und hatten viel zu erzählen.

Mit den Fahrrädern haben wir in den nächsten Tagen den Ort erkundet.

Wir sahen die historischen Fischerboote am Strand, das Strandleben mit den mobilen Umziehboxen, die Altstadt mit den vielen Restaurants, sind mit der Standseilbahn nach O Sitio hochgefahren und hatten von dort einen fantastischen Blick auf Nazare. Wir waren in der Igreja de Nossa Senhora da Nazare mit der schwarzen Madonna, die ihr Kind stillt. Der Weg führte von dort zum Leuchtturm mit Blick auf den Surferstrand Praia do Norte.

Wir gehen am Praia da Nazare entlang. . .
Alte Fischerboote am Strand. . .
Hier werden die verschiedenen Meeresbewohner getrocknet. . .
In Nazare treffen einige interessante geologische Fakten aufeinander:

Der Meeressockel, der hier von 5000m auf 150m vor der Küste ansteigt und dann bis kurz vor dem Strand von 20m auf 0 fällt macht vor Nazare einen tiefen Einschnitt. Das ist ziemlich einmalig und hat Folgen: Der Hafen ist bei fast jedem Wetter anlaufbar. So kommen die Fischer von Figuera bei schwerem Wetter hier in den Hafen. Noch viel interessanter ist diese geologische Situation für die Profisurfer. Ab November wird der Nordstrand hier zum Mekka der Wellensurfer, extrem hohe brechende Wellen locken die Cracks aus allen Teilen der Welt an. Die höchste Welle, 30m, hat Garett McNamara hier gesurft. Bei YouTube gibt’s unter dem Stichwort Garrett McNamara wirklich atemberaubende Filmchen zu sehen. . .

Solche Wellen haben wir natürlich nicht gesehen, aber das ist auch besser so, dann wären wir auch aus dem Hafen nicht raus gekommen.

Blick von O Sitio auf Nazare. . .
Naschkram wurde hier in Tracht verkauft. . .

Der Ort war für uns sehr interessant. Hier war das Strandleben auch im September bei angenehmen Temperaturen gut auszuhalten. Die vielen Restaurants und Eisdielen und die freundlichen, hilfsbereiten Menschen. Der Ort lädt zum Wiederkommen ein. . .

Nach 2 richtig schönen Tagen zeichnete sich eine Wetteränderung ab, sodass wir uns kurzfristig zur Weiterfahrt entschlossen. 

Byebye Dody, byebye Nazare . . . 

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