Ankern in der Ria Formosa T2. .

Für den 16.07. hatte Walter von der FranArc2 eine besondere Idee. Er hatte gehört, dass abends in einer Musikkneipe am Hafen, im Cantaloupe, ein Konzert stattfinden sollte. Besonders günstig war für uns, dass etwa zeitgleich Hochwasser sein würde. Da wir mit 4 Personen in unseren kleinen Schlauchbooten zu viele Mitfahrer sind, haben Walter und Felix beim Morgen-Hochwasser ein altes Kunststoffboot aus DDR-Produktion, genannt Hecht, ca. 5m lang, vom Strand gezogen. Dies gehört einem Bekannten von Walter, der es aktuell nicht brauchte.Damit konnten wir zu viert mit einem kleinen 2PS Aussenborder den direkten Weg nach Olhao nehmen. Es zeigte sich mal wieder, Länge läuft.

Das Konzert von Ines Vaz (Akkordeon) und Gileno Santana (Trompete) war Klasse. Portugiesische Musikstücke, teilweise selbst komponiert, in denen sie ihr ganzes Können zeigen konnten.

Mit dem Hecht unterwegs mit 2 PS

Ein schönes Konzert mit Ines und Gileno

Die Rückfahrt bei anbrechender Dunkelheit war dann ganz schön spannend. Mit einem Gin/Tonic haben wir die Spannung dann bei Claudia und Walter an Bord wieder abgebaut.

Am nächsten Morgen mussten wir bei HW das Boot wieder zurück bringen. Diesmal kam Dörte auch mit. So ging das an den Strand ziehen etwas leichter. 

Danach machte Walter mit uns einen Abstecher in die Hartz 4-Bucht. Diese sehr geschützt liegende Bucht wurde bis vor wenigen Jahren von vielen hier Gestrandeten zum Überwintern und Dauerliegen genutzt. Dabei sammelte sich natürlich viel Schrott und Unrat an. Im Zuge der Verschärfung der Nationalparkgesetze wurde hier richtig aufgeräumt. Alle mussten mit ihren Habseligkeiten weg. Bis auf Jan, ein Deutscher, über 80, der hier schon seit über 30 Jahren lebt. In einer Hütte aus Strandgut hat man ihm genehmigt, tagsüber hier zu wohnen. Schlafen darf er dort offiziell nicht. Dazu hat er außerhalb der abgesperrten Bucht ein kleines Bötchen vor Anker liegen. . .

Links vom „H“ liegt die Hartz 4 Bucht. Geschützt bei allen Wetterlagen. .

Die abgesperrte Bucht. .
Jan vor seiner Strandgut- Hütte. . .

Nach einer Woche vor Anker gingen unsere Wasservorräte langsam zur Neige. Dreimal täglich baden und danach kurz duschen geht an den Wasservorrat. Wir hatten das Tankboot schon einige Male gesehen, wussten aber nicht genau, wann es wieder kommen würde. Eine kleine Fahrt nach Culatra und einen netten Portugiesen angeschnackt und wir hatten die Kontaktdaten von George (Waterdelivery +351912621263). Er würde am nächsten Morgen wieder eine Runde machen. So bekamen wir den Tank für kleines Geld mit gutem Wasser gefüllt.

George, mit seinem Wassertanker. . .

An diesem Tag hatten wir etwas Bewölkung, um 25 Grad und später wieder eine sternenklare Nacht. Abends kamen dann Claudia und Walter noch zu einem gemeinsamen Essen an Bord.

Gemeinsames Gambas essen. . .

Der 19.07. sollte wieder ein unvergesslicher Tag werden. Nach der Großwetterlage kamen von West eine Warmfront und eine Kaltfront, die eine Okklusion (Zusammenschluss ) bilden sollten. Damit würde ordentlich Wind kommen. Zu den ursprünglich 30m Kette gab Felix noch 12 m dazu, bei max. 6,5m Wt und brachte die Fenderleinen aus, um ein Einrucken der Kette in Windböen zu vermeiden. Das Beiboot wurde am Geräteträger hochgezogen. Nachmittags nahm der Wind kontinuierlich zu. Bald gingen die ersten Boote auf die Drift. Meist hatten sie keine oder zu wenig Kette gesteckt. Die Stärke war eine französische 46 Fuß Yacht, die durch die halbe Bucht trieb und dabei viele Boote in Gefahr brachte. Später stellte sich heraus, sie hatten nur 20m Kette gesteckt. Die 3mal Wassertiefenregel, die erfahrungsgemäß falsch ist, scheint es auch in französischen Lehrbüchern zu geben. Letztlich haben wir an diesem Tag bis zu 7 Bft gehabt und die Welle war wegen der großen Wasserfläche auch nicht ohne.

Dieser Englishman ankerte nur mit Leine und ging als einer der Ersten auf Drift. .
Der weiße 46 Füsser links verbreitete einigen Schrecken im Ankerfeld, mit 20m Kette. . .

Gottseidank nahm der Wind zur Nacht wieder ab, sodass jeder gut schlafen konnte. Nicht auszudenken, wenn der Starkwind in der Nacht gekommen wäre. . .
Am nächsten Tag gab es wieder 6 Bft, aber nun wussten wir, dass unser Anker und die der umliegenden Boote halten würde. Wir haben an diesem Abend die selbstgesammelten Austern geputzt und zubereitet. Felix hat sie dann mit Genuss verspeist. . .

Vor dem Essvergnügen ist Arbeit angesagt. . .
Das wird lecker. . .
Da läuft mir doch das Wasser unter der Brücke zusammen. . .

Bobby und Anett, SY Karolina, waren von ihrem Ausflug in den Rio Guadiana lädiert zurück gekommen. U.a. war Bobby gestürzt und hatte sich beim Abstützen ein Handgelenk demoliert. Ein Arztbesuch war erfolglos, da er in mehr als 6 Stunden Wartezeit nicht an die Reihe kam. Es gab immer schlimmere Fälle. Mit selbstgeschientem Handgelenk wollte er das Boot zum Aufslippen nach Faro fahren. Um etwas zu helfen sind wir mitgefahren.

Morgens haben sie uns vom Dinghi-Steg abgeholt. Gemeinsam sind wir dann mit auflaufender Flut in die Flachwasser-Zufahrt nach Faro gefahren. Einige wenige Tonnen und der Plotter haben uns den Weg durch das geschlungen verlaufende Fahrwasser gezeigt. Das war sehr spannend. Dabei näherten wir uns der immer näher kommenden Einflugschneise von Faro. Bei der letzten grünen Tonne 23 sollte uns ein Werftboot abholen. Hier waren die landenden Flugzeuge schon zum Greifen nah. Der Flughafen bzw. die Landebahn waren nur noch wenige Hundert Meter entfernt. Schließlich kam das Werftboot und geleitete uns durch das mit wenigen Spieren gekennzeichnete Fahrwasser. Beidseitig lagen kleinere Motorboote an Bojen. Gespannt verfolgten wir die Tiefenanzeigen des Echolots. An dem Werftgelände standen bereits 6 Mitarbeiter bereit um das Boot in die Hebegurte des Portalkrans zu dirigieren. Dann ging alles ganz schnell. Die Hebegurte zogen an, SY Karolina kam nach 2 Jahren aus dem Wasser.

Mit Bobby und Anett auf dem Weg nach Faro. .
Das Fahrwasser wird immer enger, im Hintergrund Faro. . .
Die SY Karolina in den Gurten. . .

Wir haben uns bald verabschiedet, doch bestimmt nicht für immer. . .

Mit dem Bus sind wir nach Olhao zurück, haben noch eingekauft, und dann mit Taxi und Fähre zurück zum Schlauchi. Hier wehte es inzwischen wieder ganz gut. Wir sind aber trocken zurück an Bord gekommen.

Ein weiteres Highlight war eine Wanderung mit Walter nach Farol. Claudia war zwischenzeitlich nach Hause geflogen. Wir sind zu dritt durch das Naturschutzgebiet, durch heißen Sand und kleine, mit der steigenden Flut, tiefer werdende Wasserläufe westwärts, an die Lagunenseite gewandert. Hier standen viele, ohne Genehmigung erbaute, Ferienhäuser. Trotz der tollen Lage, müssen die Besitzer jederzeit mit einer Räumung rechnen. 

Steigende Wasserläufe, piewarmes Wasser. . .
In Farol angekommen. . .
Hier kann man sich als Tourist wohl fühlen. . .

Der Ort Farol ist im Gegensatz zu Culatra ein Ferienort, vorwiegend für portugiesische Touristen. Alles ist schön angelegt, aber nur Flachbauten. Große Hotels findet man auch hier nicht, sehr sympathisch. Auf der Seeseite kommt man an kilometerlange Strände und an karibikblaues Atlantikwasser. Der Weg hier zurück ließ uns bald in die angenehm temperierten Fluten hüpfen. Es ist einfach ein Erlebnis, in diesem klaren Wasser zu schwimmen. Die Strände sind mitten im Hochsommer nicht überfüllt.

Atlantikstrände, klares Wasser und kein Gedrängel. Nicht weiter sagen. . .

Mit einem gemeinsamen Abendessen und später einigen Glässchen an Bord haben wir diesen schönen Tag abgeschlossen.

Den Sonntag haben wir uns etwas entspannt und unsere Abfahrt vorbereitet. Nachdem bereits ein Paket in Albufeira auf uns wartete, sollte das Andere auch bald eintreffen.

Wir haben uns noch von Walter verabschiedet, denn er wollte auch mal den Liegeplatz wechseln.

Claudia und Walter haben wir sehr viel zu verdanken, sie haben uns viele Detailinformationen dieses Reviers gegeben, die wir sonst in dieser Zeit nicht bekommen hätten. Ein ganz herzliches Danke an die beiden. Solche Segelfreunde wünschen wir uns gern wieder. . .

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