Auf nach Graciosa. .

Wir hatten den letzten Tag vor der Abfahrt mit Vorbereitungen und relaxen verbracht. Dörte kochte, wie sonst auch, vor. Felix hatte an Deck einiges klariert und die Software für den E-Mail Empfang unterwegs aktualisiert und getestet. Der Wetterbericht versprach handiges Wetter. Am Hafen wurde in den letzten Tagen noch ein Boxring unter freiem Himmel aufgebaut. So sollte der Abend zunächst recht lautstark ablaufen. Es war schon nach 1 Uhr bis der letzte Kampf vorbei und die Siegerehrung durch war.

Am Sonntagmorgen lief dann alles nach Plan. So konnten wir um 10.45 Uhr die Leinen los werfen und wieder in See stechen. Bald wurde das Groß gesetzt und aus dem Windschatten der Insel motort. Nach 2 sm setzte sich langsam der NO Passat mit 5 Bft. durch. Wir konnten mit Kurs 140 Grad segeln, d.h. mit halbem Wind (Windeinfallswinkel 90 Grad). Der Himmel war mit dicken Wolken verhangen. Mit uns lief anfangs eine weitere Segelyacht, die wir bald aus den Augen verloren, da sie einen deutlich südlicheren Kurs steuerte.

Wir freuen uns auf eine neue Herausforderung. .

Von Delfinen oder anderem Meeresgetier war bei dem Wetter nichts zu sehen.

Rückblickend lag Madeira an diesem Tag unter einer dicken Wolkendecke, bis wir schließlich nur noch Wolken sahen. Draußen auf See riss die Wolkendecke bald auf und machte der Sonne Platz. Es war warm und wir konnten mit 2fach gerefftem Groß und G3 direkten Kurs fahren. Der Windpilot, die windgesteuerte Selbststeueranlage, steuerte fleißig um den Sollkurs herum.

Windpilot und Sailinggen im Einsatz. . .

Der Seegang war anfangs bei 1,5m, nahm dann später mit nachlassendem Wind auch ab.

Am frühen Abend gabs dann warm zu essen: Hühnchencurry

So liefen wir in die erste Nacht mit langer Hose, Stiefeln und einer Jacke bekleidet. Nicht zu vergessen die Schwimmweste. Unter Deck waren 25 Grad, es warm muschelig warm.

Der erste Tag der Überfahrt geht zu Ende. . .

Mit 4 Windstärken gleiteten wir durch die sternenklare Nacht. Der Sternenhimmel war beeindruckend. Man hatte das Gefühl, tausende Sterne sehen zu können, Dörte hatte das Gefühl unter einem Sternenzelt zu segeln.

In der 2. Nachthälfte sah Felix dann ein grünes Licht. Es war etwa auf der Höhe der Ilhas Selvagens, der portugiesischen Inselgruppe kurz vor den Kanaren. Da wir gehört hatten, dass die Portugiesen dort gern nochmal Boote kontrollieren, war Felix auf Halb-Acht-Stellung. Eigentlich konnte das nicht sein, die Inseln waren ca 70 sm entfernt. So kam es auch. Das Schiff fuhr nordwärts, aus dem grünen Licht wurde bald ein weißes. . .

Morgens nahm der Wind wieder etwas zu, sodass wir noch zu einem Etmal von 147 sm kamen.

Morgens war es noch etwas frisch für Dörte. . .
Alle Systeme an Bord funktionierten. . .
so wurde nur in regelmäßigen Abständen Ausguck gehalten und Logbuch geführt. . .
 

Später konnten wir in Richtung afrikanische Küste einen großen Frachter nordwärts fahren sehen.
Der 2. Seetag verlief zunächst ohne große Aufregungen. Über eine Satellitenverbindung konnten wir einen neuen Wetterbericht empfangen und kurze Grüße an die Kinder senden.

Gegen Abend wurde uns klar, die Bootsgeschwindigkeit muss langsamer werden, sonst würden wir frühmorgens im Dunkeln ankommen. Dazu sollte im Großsegel das 3. Reff eingebunden werden. Wir hatten das nicht vorbereitet. ( Es waren nur leichte Winde vorausgesagt ). So musste zunächst das Groß geborgen werden und dann die Reffleine eingezogen werden. 

Dabei passierte es. Eine besonders hohe Welle lief in dem Augenblick unter dem Boot durch. Das Boot legte sich nach Steuerbord, Felix konnte sich am Großbaum abstützen. Dann legte sich das Boot, nachdem die Welle durch war, nach Backbord und Felix verlor den Halt. Glücklicherweise kam er auf dem Laufdeck innerhalb des Seezauns zu Fall. Dörtes Schrei konnte er gleich beruhigen, denn er hatte sich nicht verletzt. Glück gehabt.

Wir haben später lange diskutiert, wie man es hätte besser machen können. Felix hätte sich natürlich angurten müssen. Damit hätte man den Sturz nicht verhindert, aber das mögliche Überbordfallen. Denn das ist für eine 2 Personencrew der absolute GAU. Dörte hätte kaum Chancen gehabt, Felix bei der einbrechenden Dunkelheit wieder zu finden.

Mit den kleinen Segelflächen sind wir dann langsam durch die Nacht geschaukelt.

Später kam noch ein Frachter achtern vorbei. Sonst wurde es eine ruhige Nacht, in der der Wind noch etwas abnahm.

Sonnenaufgang vor Graciosa. . .
Wir sind auf gutem Kurs zum Ziel. . .
 

Um 9.40 fiel dann der Anker in der Playa Francesca auf Graciosa/Canaries. Nachdem die erste Reihe von anderen Ankerliegern besetzt war, warfen wir dahinter auf 9 m Wassertiefe den Anker und gruben ihn ordentlich ein.

Anfangs war unsere Bucht traumhaft leer. .

Gegen 11.00 Uhr kamen dann die Ausflugskatamarane. Mit Partymusik und voller Touristen fuhren sie bis nahe an den Strand. Wir hatten ähnliches ja schon bei den Islas Cies in Nordspanien erlebt. Nur hier blieben die Gäste überwiegend an Bord.

Am späten Nachmittag verlassen die Katamarane die Bucht. . .

Erst als am Nachmittag die Katamarane wieder wegfuhren, trat in der Bucht die erwartete Ruhe ein.

So erlebten wir eine ruhige Nacht und einen sonnigen Tag, den wir mit baden und relaxen verbrachten. Zwischendurch wurde noch das Schlauchboot fertig gemacht und der Aussenborder angebaut. Dummerweise wollte er nur nicht anspringen. So hatte Felix wieder zu tun, aber ohne Erfolg. Da ist wohl mal eine größere Durchsicht nötig. . .

Ein Ankertag geht dem Ende zu, bald wird es dunkel. . .
Ein hartnäckiger Bewuchs breitet sich am Wasserpass aus, es gibt halt immer was zu tun. . .

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