Las Palmas Fluch oder Segen . .

Viel hatten wir über Las Palmas gehört, viel Negatives, aber auch Positives.

Wir waren uns einig, hin segeln wollten wir auf jeden Fall, vielleicht nur für eine kurze Zeit.

Las Palmas, die Hauptstadt von Gran Canaria und zugleich größte Stadt der Kanaren hat gut 380.000 Einwohner. Der Handelshafen ist einer der größten im Atlantik und damit ein bedeutender Schnittpunkt zwischen Europa, Afrika und Südamerika.

Empfangen wurden wir von riesigen Kränen, Ölplattformen und Containerdocks.

Seit der Dollarpreis auf zeitweilig unter 50,-/Barrel rutschte, haben viele Ölbohrschiffe keine Beschäftigung mehr. Davon lagen 8 Schiffe im Hafen und weitere vor Anker. . .

Bald lagen wir kuschelig zwischen den 50-65 Fuß-Yachten und fühlten uns gar nicht so schlecht. Minderwertigkeitskomplexe hatten wir keine, das Waschhaus wurde von wenigen frequentiert, die meisten nutzten ihre eigenen Sanitäranlagen an Bord. Sauber waren die Waschräume und obendrauf gab es noch warme Regenwald-Duschen.

Die nahe 4 spurige Autobahn störte uns nicht, sie war kaum zu hören.

Horrorgeschichten hörten wir zum Thema Kackerlacken. Überall Kackerlacken, auf den Schiffen, an Land, in der Wäscherei usw…. Schon in Portugal hatten wir uns mit Fallen und Spray eingedeckt. Seit wir auf den Kanaren sind, werden alle Schuhe vor dem Schiff ausgezogen und damit nicht mehr an Bord getragen. Die Gefahr Eier an Bord zu schleppen ist sehr groß. Richtig konsequent sind wir aber erst jetzt, damit eine Sicherheitsstufe höher. Gesehen haben wir schon welche, Felix hat auch eine vom Steg ins Wasser gekickt und es gibt genug Crews, die schon ihre Erfahrungen an Bord gesammelt haben. Wir gehen das Thema jetzt gelassen an, haben ja unsere Sicherheitsstufe! Nur was machen wir mit denen, die fliegen können, die gibt es nämlich auch. Alle Schotten zu bei schönstem Wetter. NO WAY

Schnell hatten wir uns eingelebt, gute Fahrradwege ziehen sich von Norden nach Süden entlang den Hafenanlagen, dem kleinen Strand Playa de las Alcaravaneras, den Stadtteilen Triana und Vegueta. Wir machten uns mit den Busverbindungen und Terminals vertraut und haben Supermärkte und andere Dienstleister ausfindig gemacht. Unsere Rettungsinsel hatten wir gleich am 2. Tag zur Wartung gegeben. Es sollte ca. 3 Tage dauern. Heute sind es 2 Wochen her. MANANA!!!

Das große Kaufhaus El Corte Ingles oder der Supermarkt Carrefour sind kleine Einkaufsparadiese, deren Auswahl alle Wünsche erfüllen kann, wenn man die sportlichen Preise zahlen will. .

Im Edelkaufhaus El Corte Ingles findet man eine große Auswahl für den gehobenen Geschmack. . .

Bei einer Stadtrundfahrt haben wir bald auch die entfernteren Sehenswürdigkeiten entdeckt. Diese konnten wir dann später in aller Ruhe nochmal mit dem Fahrrad besuchen. So sind wir an der Promenade entlang zum Castillo de la Luz gefahren. Im 16. Jahrhundert erbaut, schützte das Castell Stadt und Hafen vor Piratenüberfällen. Nach einer aufwändigen Restaurierung wurde in 2014 hier eine Ausstellung des einheimischen Künstlers Martin Chirino eröffnet. Mit seinen schneckenförmig gedrehten Eisenskulpturen hat er einen sehr eigenen Stil gefunden.

Das schön restaurierte Castillo de la Luz Diese so massiv aussehenden Kunstwerke von Martin Chirino sind alle hohl . . .

Eine andere Tour ging zum Playa de Las Canteras, dem über 4 km langen feinsandigen Strand im Nordosten der Stadt. Auf 2,5 km Länge wird er von einem vorgelagerten Riff geschützt. Dies war früher der Strand auf Gran Canaria. Heute erscheinen die vielen Hotels entlang der Strandpromenade eher etwas in die Jahre gekommen. Trotzdem ist dieser Strand bei den Einheimischen und spanischen Touristen sehr beliebt. Wir waren über die zivilen Preise in diesem Bereich etwas überrascht. Weiter westlich gibt es einen ungeschützten Bereich in dem die Wellenreiter sich austoben können.

Am Playa de Las Canteras. . .

Hier befindet sich auch das Auditorio Alfredo Kraus. Jährlich finden hier Filmfestspiele statt, die weit über den europäischen Bereich bekannt sind.

Das Auditorio Alfredo Kraus ist das Zentrum für klassische Musik auf den Kanaren und beherbergt auch das Filmfestival . . .

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Im Park Doramas erinnert dieses Denkmal an die letzten Altkanarier, die sich lieber von den Klippen stürzten, als sich den Spaniern zu ergeben. . .

Dienstags gibt es einen deutschsprachigen Stammtisch im Hafen im Restaurant Pier 19. Neue Informationen wurden gesammelt und interessante Lebensgeschichten erzählt. In Las Palmas ist das Liegegeld unglaublich günstig, sicherlich auch deshalb bleiben viele Schiffe hier liegen, wollen oder können nicht weiter. Viele Boote sind gar nicht mehr segelklar. Keine Maschine, keine Segel oder irgendwelche Konstruktionen aufgebaut, die das Boot nicht seetüchtig erscheinen lassen. Einige Unterwasserschiffe gleichen einem Biotop.

Im September, wenn die ARC-Teilnehmer hier langsam ankommen, muss der größte Teil des Hafens geräumt werden. Wer dann keinen Jahresliegeplatz hat, muss den Hafen verlassen oder wird von den Marineros außerhalb des Hafens vor Anker gelegt. Viele verteilen sich dann auf die anderen Häfen oder fahren zu den Nachbarinseln. . .

Glück hatten wir, die Semana Santa, die Heilige Woche, die Karwoche hier mitzuerleben.

Hier in Spanien ist der Gründonnerstag schon Feiertag. Überall Holiday! Gerade an diesem Tag musste Dörte eine dicke Wange bekommen. Es war ein schwieriges Unterfangen einen Zahnarzt zu finden. Nach etlichen Telefonaten und einigen 🚲 km hatten wir Erfolg. Eine Zahnarztpraxis warb mit 24 Stunden Bereitschaft. Der junge freundliche Dr. Alexandro, der gut Englisch sprach, stand nach einer guten halben Stunde auf der Matte. Kompetent ging er das Problem an. Röntgen und Zahn behandeln dauerten ca. 45 min. Für den ganzen Schreibkram brauchte er bestimmt noch einmal so lange. Dörte konnte anschließend beruhigt zum Schiff fahren und war froh an diesem Tag nicht in irgend einem gottverlassenen kleinen Ort gewesen zu sein.

Am Karfreitag konnten wir uns dann ganz den Prozessionen widmen. Schon am Vormittag fuhren wir in die Altstadt zur Kathedrale Santa Ana. Menschenmengen strömten in die Altstadt.

Die Kathedrale Santa Ana. Baubeginn um 1500, Fertigstellung im 19. Jahrhundert. .

Viele waren festlich gekleidet. Einige trugen Bündel von Eukalyptuszweigen, die als Zeichen von Frieden und Hoffnung gelten.

Ein großer Jesus am Kreuz eröffnete den Zug. Davor und dahinter liefen ältere Frauen in schwarz, mit weißen Kopftüchern, die laut gemeinsam das Rosenkranzgebet beteten. Zwischendurch wurde Trauermusik gespielt. Der Zug ging durch die Vegueta(Altstadt) und endete wieder in der Santa Ana. Es war eine ergreifende Scenerie.

Bei der anschließenden Messe ging es wie auf dem Bahnhof zu. Laut redend strömten die Menschen ein und aus, da war nichts mehr mit Andacht.

Nichts für uns, wir fuhren zum Schiff zurück.

Um 18.30 Uhr sollten die Prozessionen von allen Kirchengemeinden gemeinsam stattfinden. Im Stadtteil Triana trafen die Züge aufeinander und endeten wieder in Vegueta in der Kathedrale Santa Ana. Die anliegenden Bars und Restaurants waren gut besucht und überall herrschte gute Stimmung.

Auch wenn wir uns in den enormen Menschenmengen nicht so richtig wohl fühlten, der immer wieder kreisende Hubschreiber machte uns die Situation deutlich. Die Veranstaltungen waren für uns sehr beeindruckend und unsere Nasen waren über den Heimweg hinaus mit Weihrauch geschwängert. Mit den vielen Musikzügen und unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen war das schon fast ein Volksfest. Eigentlich dem Tag nicht angemessen . . .

Abschließend noch einige Bilder aus der Nachbarschaft: Einige Boote, oder sagt man besser Schiffe, sind schon eine Augenweide. . .

62 Fuß fahren weiter, die Nationale haben sie noch versteckt (Jersey). . .

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