Teil 2 des kleinen Nordseeabenteuers . .

Das windige lange Wochenende haben wir mit einigen kleinen Reparaturen, Reinigungsarbeiten und Wartungen auf Norderney gut verbracht. Abends sind wir öfter mal Essen gegangen, wobei das Gosch-Restaurant ein beliebtes Ziel war. Da können sich die Kieler Kollegen ein ordentliches Stück von abschneiden.

Trotzdem wurden wir nach einigen Tagen wieder reiselustig. Am Montag den 25.06. sollte es endlich weitergehen. Der Wind hatte sich auf 5 Bft beruhigt und der Seegang hatte auch Zeit gehabt etwas abzuflachen. Der Wetterbericht versprach Wind aus NW, der am Dienstag abflauen und später auf O drehen sollte. Daher haben wir den Abstecher nach Helgoland fallen gelassen.

Das Dovetief mit seinen wandernden Untiefen. Die Tonnen werden in manchen Jahren mehrmals verlegt. . .

Eine Stunde vor Hochwasser warfen wir die Leinen los und motorten in Richtung Dove-Tief. Mit uns fuhren noch einige andere Boote, was die Orientierung erleichterte. Die Maschine lief in dem Seegang sehr zuverlässig. Trotzdem waren wir erleichtert, als wir nach einer Stunde das Ende der Fahrrinne erreichten und ein Segel ( Fock ) setzen konnten.

Bald waren uns die knapp 6 kn über Grund zu wenig, da wir mit noch mehr Gegenstrom rechnen mussten. So haben wir noch querab von Norderney das gereffte Großsegel hochgezogen und machten nun knapp 7 kn über Grund. In den Böen fanden wir das bald zuviel und drehten das Vorsegel weg. Wir wollten auch nicht zu früh in die Elbe einlaufen, um eine Wind gegen Strom-Situation nicht bei max. Strom zu erleben. Bei dem Seegang ( 2-2,5m ) kam keiner auf die Idee den Steuerautomaten zu benutzen, er hätte es nicht geschafft. Um Mittag hatten wir bald 1,5 kn Strom gegenan. Kein Problem wenn man mit 7,5kn durchs Wasser segelt.

Gegen 14 Uhr hatten wir die berühmt berüchtigte Tonne TG9 an Backbord querab. Hier endet das von Westen kommende Verkehrstrennungsgebiet. Alle Segler die nach Helgoland wollen biegen hier nach NO ab. An Stb liegen die Fahrwasser nach Wilhelmshaven und Bremerhaven/Bremen. Hier herrschte doch reger Schiffsverkehr. Kurz hinter diesen Zufahrten befindet sich eine Reede (Schiffsparkplatz) wo die Schiffe vor Anker auf ihren Hafentermin oder auch auf neue Aufträge warten.

Für uns etwas ungewöhnlich war die Beobachtung, dass einige Schiffe sich im Wind ausgerichtet hatten, andere mehr vom Strom beeinflusst lagen. Inzwischen hatte der Wind bis an NW6 zugenommen, einige Wellen erreichten deutlich über 3m. So haben wir uns durch das Feld der Ankerlieger geschlängelt, immer darauf gefasst ordentlich nass zu werden. Viele Seen liefen einfach unter dem Boot durch. Bis dann eine Welle gegen den Rumpf brach und Felix eine kräftige Dusche abbekam. Das Cockpit entwässerte erfreulicherweise über die Abläufe recht schnell.

Von da an kroch ihm ein feuchtkaltes Gefühl am Hinterteil hoch. Die Ölhose war ja eigentlich auch schon lange ausrangiert. Später haben wir das mit einem Sitzkissen abgemildert.

Auf der Aussenelbe, Höhe Scharhörn. Cuxhaven ist zumindest in diesem Bild schon zu sehen . .

Um 17 Uhr hatten wir bei Scharhörnriff bereits 2,5kn Strom gegenan, machten nur noch 5 kn über Grund.

Da das Fahrwasser in die Elbe von NO immer weiter östlich dreht, war klar, irgendwann müssen wir halsen (das Großsegel von Stb nach Bb schwenken). So ein Manöver macht man nur zu zweit. Eine steuert und Einer holt das Groß dicht und fiert es auch wieder.

Weiter elbaufwärts nimmt der Seegang wieder ab . .

Gegen 21 Uhr waren wir nach 66sm in Cuxhaven fest. Gefühlt hatten wir eher 80 sm gesegelt, was der Strecke durchs Wasser schon sehr nahe kam.

Im Hafen selbst war um die Zeit noch einiges los, da noch mehr Boote einliefen. So dauerte es nicht lange, bis ein junger Mann uns nach „unserem Boot“ befragte. Er hatte es früher häufig auf Regatten in Holland getroffen und berichtete von vielen erfolgreichen Rennen.

Da es um diese Zeit in Hafennähe keine geöffneten Restaurants mehr gab, hat Dörte dann noch für unser leibliches Wohl gesorgt.

Am nächsten Tag waren wir froh noch bis Cuxhaven gefahren zu sein. Mit auflaufendem Wasser nahm die Strömung dem schwachen Wind die letzte Kraft aus den Segeln. So sind wir nach Brunsbüttel motort, der Tank war ja voll. Gegen 13 Uhr hatten wir den Wartebereich vor der Schleuse erreicht. Bei dem leichten Wind und sonnigem Wetter konnten wir die 1/2 Std Wartezeit gut aushalten. Das Gleiche bei den Verhältnissen des Vortages wäre nicht so angenehm gewesen.

Die auflaufende Elbe nimmt uns mit nach Brunsbüttel, 5,2 kn durchs Wasser, 8,4 über Grund . . .

Nordsee ade . . .

Gegen 13.35 schlossen sich die Schleusentore hinter uns, Nordsee ade.

Später im Kanal war mit uns eine ganze Armada unterwegs. Viele Boote hatten wir unterwegs schon einige Male gesehen. Wegen unterschiedlicher Geschwindigkeit verloren wir die meisten bald aus den Augen. Bei km 16 trafen wir eine belgische Yacht wieder. Die „Makeira“ war zu nah ans steil ansteigende Ufer gefahren und auf dem steinigen Grund festgekommen. Alle Versuche sich mit eigener (Motor-) Kraft zu befreien waren bisher gescheitert. Da konnten wir nicht einfach vorbeifahren. Wir forderten sie auf, eine lange Leine zu klarieren, übernahmen die Leine und versuchten das Boot vom Ufer weg ins tiefere Wasser zu ziehen. Dabei haben wir uns etwas verschätzt, wie fest die Belgier saßen. 2 Versuche mit rückwärts ziehen waren erfolglos. Zwischendurch kam ein Frachter vorbei, doch seine Bugwelle schaukelte die Yacht auch nicht los. Für den 3. Versuch kletterte dann 1 Mann auf den seitwärts geschwenkten Großbaum, die Anderen versuchten am Oberwant das Boot zu krängen. Wir haben die Zugleine dieses Mal am Heck befestigt und vorwärts gezogen. Und siehe da, das Boot kam frei.

Die Crew hat sich mit einem Büddel mit belgischem Bier und Schokolade bedankt. Uns kam das ganz recht, denn unser Biervorrat war längst aufgebraucht. . .

Wir sind dann bei strahlendem Sonnenschein und steigenden Temperaturen noch bis Rendsburg gefahren. Im Hafen des Regatta-Vereins Rendsburg haben wir dann festgemacht und noch einen Platz im ansässigen Restaurant ergattert. Hier so mitten in der Provinz ist der Euro noch richtig wertvoll: Gutes Essen für kleines Geld.

Am nächsten Morgen sind wir bei schönstem Wetter noch vor dem Frühstück gestartet. Gegessen wurde dann unterwegs. Wir hatten ja noch einige Stunden Kanalfahrt vor uns. Den Wartesteg vor der Kieler Schleuse haben wir dann um 12.20 erreicht. Der in diesem Frühjahr neu installierte Bezahlautomat streikte jedoch. Da wir auf das Schleusen noch einige Zeit warten mussten, kam vorher noch ein IT-Mensch und brachte die neue Technik wieder ans Laufen. So konnten wir unsere 12,- EUR doch noch zahlen, bevor die Schleuse geöffnet wurde.

In der großen Schleusenkammer in Kiel-Holtenau . .

Wenn nach einer Schleusung das Tor dann wieder öffnet, ist das immer ein besonderes Gefühl, man fährt in eine neue Welt, diesmal die Kieler Förde.

Erste Blicke auf die Kieler Förde . . .

Die letzten Meilen nach Stickenhörn waren natürlich bekannt, trotzdem kam uns Vieles irgendwie neu vor. Mit dem Festmachen in Stickenhörn war dieser kleine Nordseetörn abgeschlossen.

Das Boot lag unversehrt am Liegeplatz, bereit für die geplante Bootstaufe. Für uns ist ein kleines Abenteuer glücklich zu Ende gegangen. . .

Wir wünschen Birte und Daniel allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. . .

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