Im Bann von Corona . . .

Während unserer 4 wöchigen Heimreise verlief eigentlich alles erwartungsgemäß. Das heimische Wetter gab mit fast täglichem Regen mal wieder alles. Wir konnten zu Hause vieles regeln ohne negative Überraschungen. Für den 11.03. hatten wir die Rückflüge gebucht, zu einer Zeit wo Corona noch vermeintlich weit weg war. In den letzten Tagen vor dem Rückflug häuften sich die Nachrichten besonders aus Italien, wir sahen noch keinen Anlass zur Sorge. Der bevorstehende Flug in den Süden gab uns ein Gefühl der Sicherheit, war La Palma doch bisher auf keiner Infektionsliste aufgetaucht und uns erwartete warmes sonniges Wetter. . .
Auf dem Flughafen war alles normal, von irgendwelchen Schutzvorkehrungen keine Spur. Von den Passagieren trug nur ein jüngeres Paar einen Mundschutz. Die Condormaschine startete relativ pünktlich und es wurde wenig gehüstelt und genießt. Durch eine Flug-Route diagonal über Frankreich und Spanien konnte der Weg etwas abgekürzt und so der starke Gegenwind kompensiert werden. So erreichten wir die Insel gegen 13.00 Uhr, übernahmen den Leihwagen und fuhren auf die Westseite der Insel. Dank Calima-Wetterlage konnten wir uns über 26 Grad freuen. Die Natur hatte in den letzten Wochen einen ordentlichen Sprung gemacht. An vielen Stellen blühte es. Aber die Trockenheit des letzten Winters hatte auch ihre Spuren hinterlassen. In den Bananenplantagen sah man den Blättern die lange Trockenheit an.
Im Hafen angekommen, konnte man die bewohnten Boote sehr leicht von den verlassenen unterscheiden: Viele lagen noch unter einer dicken Sandschicht, die der letzte Calimasturm 2 Wochen vorher über den Hafen geweht hatte.
So auch Festina lente. Nach einer gründlichen mehrstündigen Reinigung hatten wir wohl den größten Teil des Sandes entfernt. Nur die Scheiben der Sprayhood sahen noch blinder aus, als 4 Wochen vorher.

Dank Calima alles Ton in Ton . . .


Die Scheiben haben sichtbar gelitten . .

Wir waren froh hier zu sein. Hatten wie viele andere hier auch das Gefühl, in einem kleinen Paradies zu sein.
Am nächsten Tag um die Mittagszeit sprach uns unser spanischer Nachbar an. Er arbeitet als Notarzt in Los Llanos, der heimlichen Hauptstadt La Palmas und wohnt oft auf seinem Boot.
Er hatte morgens die Info von 2 bestätigten Corona-Infizierten in Los Llanos bekommen und empfahl uns als Vorsichtsmaßnahme Obst und Gemüse in der nächsten Zeit ordentlich zu waschen. Bereits am Nachmittag konnten wir im Internet erfahren, dass es sich um 2 Italiener handelte, die auf der Insel wohnen, aber viel in der Welt unterwegs waren. Beide wurden zu Hause isoliert. Von da an war die palmerische Idylle etwas gestört. Fast im Stundentakt gab es neue Meldungen aus vielen Teilen der Erde. Nicht nur in Italien, auch in Spanien z.B. Madrid wurden viele Fälle gemeldet und entsprechend Schulen und Unis geschlossen. Bis Freitagabend kamen die ersten Meldungen, Häfen für Kreuzfahrer gesperrt, viele auch für Sportboote, wie auf den Azoren und Madeira.
Samstagmittag bekamen wir die Info, für ganz Spanien würde es eine Ausgangssperre ab Montag geben, diese trat dann aber schon Sonntag 0.00 Uhr ein. Da haben wir nicht gezögert, unseren Nachbarn Rainer mitgenommen und sind nochmal zum Einkaufen zu Lidl gefahren. Hier waren einige Artikel bereits vergriffen, aber im wesentlichen war noch alles zu haben.

Vollbad je Sorte mit nachfolgender Sonnentrocknung . .

Schnell wurde klar, wie verzögert manche Mitbürger solche Dinge realisieren. Bis dahin war die Zahl der Infizierten auf der Insel auf 4 bzw 5 (je nach Quelle) gestiegen. Am Sonntag waren bereits viele Restaurants geschlossen bzw haben alles weggeräumt. Die Touristenboote blieben im Hafen. Das soziale Leben kam so langsam zum Erliegen. Erste Polizeiwagen fuhren zur Aufklärung durch die Straßen.

Die Strände von Puerto Tazacorte ungewohnt menschenleer. . .


Ab Montag wurde es dann richtig Ernst. Mit Lautsprecherwagen wurde mehrsprachig auf die Ausgangssperre hingewiesen. Die Guardia Civil kontrollierte und sprach die Leute auf das Woher und Wohin an. Leere Strände bei schönstem Wetter und auf den Straßen kaum Verkehr. Bald wurde immer klarer, man würde mit dem Boot noch rausfahren können, aber man käme in keinen Hafen wieder rein.
Der kleine Kaufmann in Puerto Tazacorte ließ nur noch 4 Kunden gleichzeitig ins Geschäft. Die anderen mussten draußen warten. Alles ging sehr ruhig und gesittet zu.
Abends haben wir uns dann in die Elefand-Liste des auswärtigen Amtes (Da werden Deutsche im Ausland erfasst) eingetragen. Man spürte regelrecht den Druck auf die Politik da etwas zu unternehmen. Warum Deutschland in den zurückliegenden Tagen immer noch Leute aus Hochrisikogebieten, wie z. B. dem Iran, ohne jegliche Kontrollen einreisen ließ, war für uns nicht verständlich.

Die Hafeneinfahrt verriegelt und bewacht von Puertos Canarios . . .
Während sonst alle Restaurants geschlossen haben, war der Kollege schlauer . . .

Am Dienstag beschäftigte uns die bevorstehende Rückgabe des Leihwagens. Eigentlich hätten wir ihn nicht zurück bringen dürfen, denn wir wollten ja nicht ausreisen. Ein Anruf beim Vermieter direkt ergab für die Verlängerung einen ca 50% höheren Preis. So haben wir nach einigem hin und her wieder über Check24 gebucht, beim gleichen Vermieter, aber deutlich günstiger. Mit den neuen Buchungsnummern konnten wir schließlich erreichen, den Wagen behalten zu können, ohne zum Flughafen fahren zu müssen.
Auf dem Steg treffen sich immer wieder kleine Gruppen, mit gehörigem Abstand, um die aktuelle Lage zu besprechen. Manche arbeiten an ihren Booten und einige bereiten ihre Abreise vor. Wobei das für einige nicht so einfach ist, wenn Sie Haus oder Wohnung zwischenvermietet haben.

Gewöhnlich posieren die Liebsten in dem Herzen . . .
Kaum zu glauben, menschenleer. . .

Mittwoch bekamen wir dann die Info, uns in eine Rückreiseliste bei Condor eintragen zu sollen. Anfangs klappte das nicht. Vermutlich wegen eines Softwarefehlers oder Überlastung, oder beidem. So verfolgen wir laufend die sich dynamisch verändernde Lage. An ein Ende der Ausgangssperre nach 14 Tagen glauben wir langsam nicht mehr.

So werden wir bald Entscheidungen treffen müssen . . .


2 Gedanken zu “Im Bann von Corona . . .

  1. Hallo Dörte und Felix,
    Ich habe euren Blog gelesen und frage mich, was ihr jetzt macht. Seid ihr noch auf La Palma , oder seid ihr schon zurück in Kiel? Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?
    Ich hoffe, dass es euch gutgeht, und dass ihr gesund seid!
    Liebe Grüße,
    Monika

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    1. Hallo Monika,
      danke der Nachfrage. Wir sind noch auf La Palma und fühlen uns hier sicher. Trotzdem ist in einer Woche der Rückflug geplant. Wegen der immer noch steigenden Infektionszahlen werden hier die Maßnahmen noch verstärkt. Daher nähern wir uns immer mehr dem Zustand, gefangen im Paradies zu sein. Da man trotz der vielfältigen Schutzmaßnahmen eine Infektion nicht ausschließen kann, wollen wir dann lieber in D und bei unserer Familie sein und das Gesundheitssystem hier nicht belasten.
      Wie für Tausende andere auch, haben sich unsere Pläne erstmal zerschlagen. Wir sind froh über kurz oder lang zurück kommen zu können.
      LG
      Dörte u Felix

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