Eingesperrt im Paradies wegen Corona . .

In den folgenden Tagen wurden die Maßnahmen zur Ausgangssperre immer weiter verschärft.
Plötzlich durfte nur noch eine Person im PKW zu den lebensnotwendigen Einkäufen fahren. Die Polizei kontrollierte ständig, es wurde ermahnt, nicht nach Tazacorte zum Einkaufen zu laufen. Man sollte entweder das Auto oder den Bus nehmen. Der Einkaufszettel wurde kontrolliert, weil nur die Dinge des täglichen Bedarfs eingekauft werden durften. Auch der Personalausweis wurde fotografiert und angedroht, dass es bei Wiederholung zu einer Anzeige kommen könnte.

Bei Lidl z.B. wurde die Besucherzahl begrenzt, Handschuhe beim Betreten des Ladens übergeben und pro Kasse nur ein Kunde bedient. So stauten sich die Kunden teils in langen Schlangen vor der Eingangstür.

Die wartenden Kunden bilden lange Schlangen mit Abstand . .


In anderen Läden sahen wir das die Einkaufskörbe/-wagen nach jeder Nutzung desinfiziert wurden. Teilweise wurde auch Desinfektionsspray bereit gestellt.
Trotz dieser Maßnahmen stiegen die Infektionszahlen zwar langsam, aber beständig. Mit ein Grund dafür war, dass immer noch Flugzeuge aus Madrid, dem Infektionsschwerpunkt in Spanien, auf die Insel gelassen wurden.

Wenige Tage später hatten wir bereits 33 Infizierte auf La Palma . .

Im Hafen von Tazacorte hatten wir den Eindruck, jeder hatte auf seinem Boot zu tun. Man traf sich mit gehörigem Abstand auf dem Steg und tauschte die neuesten Informationen aus. Alles ging sehr entschleunigt und gelassen zu. Regelmäßig tauchte ein Polizeifahrzeug auf, um die Lage zu checken, oder eine vermeintliche Zuwiderhandlung zu ahnden. Bald merkten wir, dass die installierten Überwachungskameras im Hafen laufend überwacht wurden. So lief eine Crew abends als Paar auf der Mole Richtung Hafenausgang und plötzlich erschien die Guardia Civil. Wir vermuten am Hafentor sitzt ein Mitarbeiter von Puertos Canarios in seinem Büro und überwacht das Hafenleben.
Die Tage vergingen mit kleinen oder größeren Arbeiten am Boot, aber ohne große Aufreger.
Nach und nach hatten sich viele Crews einen Rückflug gesichert.
Danach waren dann die Vorbereitungen für ein längeres Verlassen des Bootes angesagt. Eine Lagerung an Land war wegen Platz- und Lagerbockmangel angeblich nicht möglich. So stellten sich die meisten auf eine längere Wasserliegezeit ein. Wir haben dazu die Fallen gewaschen und in den Mast gezogen. Unter Wasser wurde die Zinkanode des Saildrive nochmal abgekratzt und danach ein Müllbeutel über Propeller und Saildrive gestülpt, um den Bewuchs in den nächsten Monaten zu begrenzen. Dabei konnte unser Freediver endlich mal wieder eingesetzt werden.

Mit einem Druckluft-Tauchgerät wurde der Saildrive versorgt . .

Der Eine oder die Andere nutzten natürlich auch das optisch immer sauberer werdende Hafenwasser für ein kleines Bad. Soweit reichte das Auge des Gesetzes wohl nicht,
denn man war meistens durch die dort liegenden Yachten für die Kameras verdeckt.
Bei dem schönen Wetter konnte man sich hinterher auf dem Steg abduschen, wie im Sommer.
Ansonsten waren sportliche Betätigungen natürlich nicht erlaubt.

Frühsport vor dem Boot . .

Parallel zu diesen Aktivitäten planten wir auch die Details unserer Rückreise, denn es war klar für uns, zunächst in eine 14tägige Quarantäne zu gehen. Dazu nahmen wir uns einen Mietwagen vom Flughafen nach Kiel. Die Kinder würden uns mit einer Erstausstattung versorgen. Für die Zeit danach orderten wir Lebensmittel mit Lieferservice. Das nahm natürlich alles Stunden in Anspruch, denn bisher haben wir solche Einkäufe immer persönlich erledigt. So erlebte Dörte am Ende einer langen Liste, das die Artikel erst so verspätet geliefert werden sollten, dass sie bei einem anderen Lieferanten nochmal von vorn beginnen musste.

Ein Höhepunkt des Tages: Das warme Essen an Bord . .

Zwischendurch meldete sich immer mal wieder Condor und bot uns Rückflüge für 100 Euro Bearbeitungsgebühr pro Person, zuzüglich der später festzulegenden Fluggebühr an. Von denen wollten wir uns nicht ausnehmen lassen und hatten längst bei Eurowings für normale Konditionen für den 28.03.20 nach Hamburg gebucht.

Natürlich haben wir die weitere Wetterentwicklung verfolgt. Das eine oder andere Wetterfenster, das wir nicht nutzen konnten, verstärkte so langsam das Gefühl eingesperrt zu sein. Alle Unternehmungen, die wir sonst hätten machen können, waren nun nicht mehr erlaubt.
Trotzdem waren wir froh, nicht in einem großen Hotel zu wohnen, den Tag mit fernsehen und lesen verbringen zu müssen.
Wir Bootspeople hatten und nahmen uns unsere kleinen Freiheiten, ohne den Kampf gegen das Virus in Frage zu stellen. . .


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