Algarve, nicht nur aufregend . . .

Im Mai hatten wir bei einer Impftermin-Aktion in Schleswig-Holstein das Glück, von den 65000 zur Verfügung stehenden Terminen 3 zu ergattern. Durch gemeinschaftlichen Einsatz und mit etwas Glück (bei theoretisch 1 Mio. Interessenten ) . So konnten wir kurzfristig einen 10 tägigen Aufenthalt in der Heimat planen. Dazu haben wir mit den Häwelmännern noch einen Besuch in Faro, für uns einen Coronatest am Flughafen und eine Besichtigung des Werftgeländes für den Sommerhardstand erledigt. Alles lief plangemäß ab, wir hatten genug Zeit eingeplant.

Fast leer am Covid-Teststand . .


Am folgenden Tag fuhren wir mit unserem Leihwagen und der Shuengacrew wieder zum Flughafen, diesmal wartete eine große Menschenschlange auf den Test. Wehe, wer da zu knapp geplant hatte.


Zu Hause vergingen die Tage wie im Fluge. Wir waren froh, die Familie nach über 3 Monaten wieder zu sehen. Die 3 Enkel hatten sich prächtig weiter entwickelt und freuten sich sichtlich, ihre Großeltern zu sehen.


Wieder zurück an der Algarve, waren wir über den Betrieb auf dem Flughafen etwas überrascht, offensichtlich kamen doch wieder mehr Touristen. Da wir für die Rückreise auch einen Mietwagen gebucht hatten, nahmen wir uns noch einen Landausflug nach Silves vor. Diese Stadt am inzwischen versandeten Rio Arade war um 700 n.Chr. unter den Mauren Hauptstadt der Algarve. Mit einem für damalige Zeit riesigen Hafen war Silves ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum, viel größer als Lissabon. Erst 1242 gelang es König Alfonso III. die Stadt den Mauren abzunehmen. Die blühende Stadt verlor mit der Versandung des Rio ihre Bedeutung, das Erdbeben von 1755 zerstörte fast jedes Haus.

Silves, mit der Burgruine und der Kathedrale Se . . .


Das Castelo aus der Maurenzeit und die gotische Kathedrale, die Se, gehören zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Auf dem Castelo haben wir viel Zeit verbracht, denn es boten sich von hier tolle Panoramablicke bis nach Portimão, auf die umliegenden Zitronen- und Orangengärten und die vielen Storchnester. Mit dieser Vielzahl an Störchen kann selbst Portimão nicht mithalten.

Ausgrabungen auf der restaurierten Burgruine . . .
Die Kathedrale Se, mit etwas Distanz. Leider war sie verschlossen . .
Blick in ein Storchenparadies . . .
Selbst eine Dachecke ist ein Platz für ein Nest . .


Mit Livemusik in einem Restaurant neben der Kathedrale, wo natürlich alle Plätze besetzt waren, fühlte man sich in Vor-Coronazeiten zurück versetzt.

Gegen Abend hatten wir noch eine Verabredung mit Matthias. Er war vorübergehend allein an Bord und wollte mit uns in Ferragudo gut Fisch essen gehen. Nach einem großen gegrillten Robalo (Wolfsbarsch) und einer guten Flasche Wein sind wir zufrieden zurück gefahren und Matthias zu seiner ankernden Shuenga.

Abendstimmung am Rio Arade . .

Nach einigen Einkaufsfahrten haben wir den Mietwagen in Faro wieder zurück gegeben. Mit Bus und Bahn ging es dann nach Portimao über Land zurück. Unzählige Orangen- und Zitronenhaine säumten dabei die Strecke.
Ein nettes Treffen hatten wir in diesen Tagen noch mit Elke und Ulli von der SY Christina. Wir trafen uns in 2017 das erste Mal in Funchal. Später auf den Kanaren kreuzten sich unsere Wege wieder und zwischendurch wurde per WhatsApp Kontakt gehalten. Durch Corona waren ihre Planungen auch öfter durchkreuzt worden, aber nun hatte es endlich geklappt. Wir hatten uns viel zu erzählen, sodass es ein kurzweiliger Abend wurde.


Für den 2.06.2021 planten wir, mal etwas für uns Neues zu machen. Matthias hatte sich bereit erklärt, mit uns in die Lagune von Alvor zu fahren. Er war schon zeitig am Morgen gestartet, weil er draußen auf See seinen Wasservorrat auffüllen wollte. Wir sind erst später losgefahren, mit vollem Wassertank. An diesem Tag war um 15.16 Niedrigwasser in Alvor. Der Plan war, 3 Stunden später mit der auflaufenden Flut in die Lagune zu fahren. Da wir bereits um 13.30 an der Einfahrt waren, haben wir im tiefen Wasser dort für einige Stunden geankert.

Gemütliches Segeln um nicht zu früh anzukommen, Foto by SY Shuenga

Nachmittags nahm der Wind auf 5-6 Bft zu, sodass mehrere große Motorboote bereits beim Ankermanöver gescheitert sind und die Einfahrt wieder verlassen haben. Der zunehmende Wind ließ immer mehr Kitesurfer in dem Flachwassergebiet ihre Flugkünste trainieren. Es war ein toller Anblick.
Schließlich war das Wasser soweit gestiegen, das Matthias kurz vor halber Tiede Anker auf ging. Wir sind ihm mit gebührendem Abstand gefolgt, aber doch nah genug, um seinen Weg noch nachvollziehen zu können. Die hier ausgelegten Tonnen sind der sichere Weg auf Schiet zu laufen, da deren Positionen nicht der wandernden Prildurchfahrt angepasst werden. Also ein Fall für ortskundige Einheimische.

Der spannendste Moment war zwischen den Tonnen . . .

Bei halber Tiede kann man die Untiefen relativ gut erkennen. Obwohl Matthias den Weg eigentlich kannte, geriet er doch einmal auf die Sände, konnte sich aber selbst befreien. Dies wurde von einem Kiter beobachtet, der gleich angerauscht kam und ihm mit einer Hand den richtigen Weg zeigte. Einen kurzen Moment später kam er dann zu uns zurück und wies auch uns den Weg. Puh, das waren spannende Augenblicke! Zeitweise liefen wir nach unseren Karten über Land . .
Auf dem letzten Wegstück war dann etwas Zeit sich wieder zu entspannen.

Unser Kiter in voller Fahrt an der roten Tonne . .
Volle Konzentration nach vorne . . .

Dann ging die Ankerplatzsuche los. Der Wetterbericht sagte für die übernächste Nacht Wind bis 32 kn voraus. Da musste der Anker schon sicher halten. Wir fierten den Anker ab und gaben reichlich 15m Kette. Beim folgenden Eingraben des Ankers merkten wir schnell, der Anker slippte. Also Anker wieder hoch. Dabei kamen einige Grasbüschel mit ans Tageslicht. 2. Versuch an anderer Stelle. Wieder hielt der Anker nicht, es kamen u.a. einige kurze Leinen mit hoch. Auch der 3. Versuch scheiterte, die Stimmung an Bord ging langsam hoch, so etwas hatten wir mit unserem Rocna-Anker noch nicht erlebt. Beim 4. Ankerversuch gab es einen Kettenstau im Ankerkasten, der sich nicht so leicht beseitigen ließ. Während wir langsam auf ein anderes Boot zutrieben, holte Felix Werkzeug. Im letzten Moment konnten wir uns noch von einem kleineren Boot abdrücken. Am Anker hingen einige längere Leinen, die beim Aufholen dem Propeller schon gefährlich nahe kamen. Ein kurzes gegenläufiges Drehen des Propellers befreite uns erfreulicherweise von den Tampen. Schließlich hatten wir den Anker wieder an Bord und beratschlagten erstmal. Matthias kam mit dem Beiboot und schlug einen Ankerplatz etwas außerhalb des Schutzes einer kleinen Insel vor. Inzwischen lief die Tiede weiter, die Untiefen waren kaum noch zu sehen.
So starteten wir den 5. Versuch. Diesmal mit Erfolg. Der Anker hielt auch bei höherer Motordrehzahl. Wir waren etwas genervt und brauchten erstmal einen Drink zur Entspannung. Auf das gemeinsame Abendessen an Land verzichteten wir. Als Matthias später mit dem Beiboot zurück kam, haben wir noch einen Wein zusammen getrunken und uns für seine Führung bedankt.

Ob des unsicheren Ankergrundes machten wir uns wegen des kommenden Windes unsere Sorgen. Bei Problemen in der Nacht hätten wir in der Mausefalle gesessen.

Alvor bei Nacht . .


Nach einer ruhigen Nacht klingelte der Wecker um 8.00 Uhr. Da erreichte uns die WhatsApp- Nachricht von Matthias, er war schon Anker auf gegangen. Er hatte sich die Tidensituation noch einmal angeschaut und neu entschieden. Wir haben dann einen Alarmstart gemacht, da noch gut 2 Stunden auflaufendes Wasser war.

Sonnenaufgang um 6.30 Uhr . .
Gegen 9.00 Uhr verlassen wir das Ankerfeld . .


Die Ausfahrt aus der Lagune war spannend, aber problemlos, denn wir brauchten nur den gleichen Weg zurück fahren, den wir gekommen waren.
Mit wechselnden Winden sind wir ganz gemütlich bis nach Albufeira gesegelt. Unterwegs haben wir uns die Felsen von Benagil aus der Nähe angesehen. Ein wahres Algarve-Highlight !
Bereits in der Nähe von Albufeira begann der normale Touristenwahnsinn. Besichtigungsfahrten zu den Höhlen mit den verschiedensten Fahrzeugen, Speedbootracing entlang der Küste, Gleitschirmfliegen mit Motorboot. Am sympathischsten waren uns da noch die Paddelbootler, die mit ihren Gefährten in jede Felshöhle reinfahren konnten. . .

Wir nähern uns vorsichtig den Höhlen von Benagil . .
Touristen oben und unten . . .

Nachmittags haben wir dann Albufeira erreicht. .


2 Gedanken zu “Algarve, nicht nur aufregend . . .

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s