Faro und seine Tiedengewässer . . .

Die Tage vor Culatra vergingen wie im Fluge. Dörte nutzte ihr SUP, wir konnten schwimmen und täglich gab es einen Landgang. Wir haben den Strand an der Seeseite besucht und in dem klaren Wasser ein erfrischendes Bad genommen. Im Vergleich zu vor vier Jahren war nun eine kleine Strandbar eingerichtet und ein Strandabschnitt mit Sonnenschirmen und Liegestühlen ausgestattet. Wir sind lieber einige Schritte weiter gelaufen und haben die Einsamkeit genossen.

Kilometerlange Sandstrände auf der Atlantikseite von Culatra . .

Ein anderer Besuch galt der Hartz 4 Bucht. Hier hatte sich nicht viel geändert. Jan haben wir nicht getroffen, aber seine aus Strandgut gebaute Hütte stand immer noch. Was aus ihm wohl geworden ist? Vielleicht schauen wir Ende August nochmal nach ihm.
Der Rückweg am Binnenstrand entlang führte uns an einem Strandabschnitt entlang, der von den örtlichen Fischern genutzt wird. Zwischen einzelnen schönen Muschel- und Schneckengehäusen im Sand fand man hier auch viel Unrat. Von Kunststoffartikeln über Netzresten bis hin zu vergammelten Bootsrümpfen war alles dabei. Das Umweltbewusstsein der Fischer ist jedenfalls noch ausbaufähig.

Jan‘s Hütte, gebaut aus Strandgut . . .
Bei den Fischern am Binnenstrand, viele schöne Muscheln, Schnecken etc. . .

Nach 7 Tagen hatten wir weder einen Kontakt zum Wassertaxi herstellen, noch ein solches auf dem Wasser beobachten können. So gingen wir an Land auf Wasserhahnsuche. Nachdem die Restaurants uns kein Wasser geben wollten, wurden wir schließlich an den neu gebauten Fischerhütten fündig. Ein Fischer zeigte uns netterweise, wo wir unsere Wasserkanister auffüllen konnten und wurde mit einem kleinen Trinkgeld belohnt. Damit entspannte sich die Wassersituation an Bord etwas.
Besonders am Wochenende waren die Restaurants von meist einheimischen Gästen gut besucht. So haben wir mehrfach erlebt keinen Platz zu finden, da alles voll oder reserviert war. Mit etwas Geduld konnten wir aber meist noch ein örtliches Fischgericht ergattern.

Culatra, abseits der Hauptstraße . .
Einige Vorgärten stachen mit ihrer Farbenpracht besonders hervor . .

An einem Dienstag hatten wir allerdings ohne die portugiesische Fußballbegeisterung geplant. Die Idee am Nachmittag nach 16.00 Uhr essen gehen zu wollen, endete mit einem Reinfall, alle Restaurants schlossen ihre Küche, denn Portugal sollte gegen Ungarn spielen. So blieb uns nur an Bord zu improvisieren.

Unser erstes an Bord selbstgebackenes Brot, lecker . .

Für den 16.06. hatten wir eine Nacht im Hafen von Olhao geplant, um das Boot mit Beiboot und SUP vom Salz befreien zu können, Diesel zu tanken und Wäsche zu waschen. Vorher gab es noch einen Abschied von den Häwelmanns, denn unsere Wege würden sich jetzt erstmal trennen.

Um genügend Zeit für die Arbeiten zu haben, sind wir bei fallendem Wasserstand Anker auf gegangen und gegen den ablaufenden Strom motort. Das war unproblematisch, da der Hafen jederzeit erreichbar ist, wenn man die Örtlichkeiten kennt.

Gleich nach dem Anlegen arbeitete jeder sein Programm ab. Deck und Geräte trockneten schnell, dank des kräftigen Windes. Auch die Wäsche war in kürzester Zeit wieder an Bord, denn Dörte hatte fast alle Maschinen des Waschsalons in Betrieb genommen.
Gegen Abend hatten wir unser Tagesprogramm geschafft, sodass wir uns in der „Pizza na Pedra“ noch stärken wollten. Obwohl es hier gute Pizzen geben sollte, wir waren nicht zufrieden. Die Teile waren geschmacklich einfach langweilig.

Beiboot und SUP sind gereinigt und verstaut, das Deck trocknet ab . .


Mit einem kleinen Einkauf haben wir dann am nächsten Tag unseren Proviant für die letzten Tage an Bord aufgefüllt. Am frühen Nachmittag sind wir dann gegen Strom und zunehmenden Wind zur Tonne 21 motort.

Zwischen Tonne 15 und 17 hat man noch eine kleine grüne Tonne eingefügt. Im Gegenlicht leicht zu übersehen . . .

Hier wartete noch die Shuengacrew auf uns. Nachdem wir den Anker in ausreichendem Abstand zu den anderen Booten eingefahren hatten, freuten wir uns auf ein weiteres Highlight: Wir wollten uns mit der Shuenga und der wenig später eintreffenden Samjicrew zu einem langerwarteten Wiedersehen treffen. Sybille und Wolfgang waren erst im Mai sehr spät von Tazacorte gestartet und fanden auf Madeira lange kein Wetterfenster zum Absprung an die Algarve. So gab es ein herzliches Wiedersehen, bei dem die Zeit wie im Fluge verging.

Zwischen uns und den Freunden lag noch ein Engländer, ohne aktives AIS . .

Der nächste Morgen begann schon zeitig, denn wir hatten um 9.00 eine Verabredung an Tonne 23. Hier sollte uns ein Motorboot von Bruce Yard (Nave Pegos Lda) abholen und uns durch das unbetonnte Flachwasser zur Werft führen. Mit dabei war eine französisch geflaggte Yacht, die uns schon am Vortag wegen ihrer langsamen Fahrweise aufgefallen war. Auch an diesem Morgen fuhren sie so langsam, dass wir Bedenken hatten, das Führungsboot zu verlieren. Wir kamen gut am Werftanleger an, begleitet von Matthias mit dem Schlauchboot, der sich das Procedere mal ansehen wollte.

Fahrt im Geleit durch das unbetonnte Flachwasser . .

Der Portalkran stand schon bereit, sodass wir als erstes Boot gekrant wurden. Dank vieler helfender Hände und mit der Erfahrung des Chefs lief alles perfekt und professionell ab. So standen wir bald mit gereinigtem Rumpf auf dem Lagergestell an Land. An Bord klemmte keine einzige Tür.
Als unser Mitfahrer aus dem Wasser gehoben wurde, kam eine kleine Muschelzucht zum Vorschein. Das Boot hatte 4 Jahre im Wasser gelegen und war dann an einen polnischen Segler verkauft worden. Der wahre Grund für die Langsamfahrt kam später zum Vorschein. Das Wellenlager war komplett ausgeschlagen und der Lagerbock steckte nur noch lose im Rumpf . . .
Nachdem der Rumpf mit Spachtel und Hochdruck richtig gereinigt worden war, kam auch noch Osmosebefall zum Vorschein. Ob der Pole das alles vorher gewusst hat ? ? ?

Wir warten auf die Unterwasserschiffsreinigung . . .
4 Jahre hinterlassen am Rumpf ihre Spuren . . .

Wir hatten uns für einige Tage ein Hotelzimmer genommen, sodass wir das Boot auseinander nehmen konnten und nicht in dem Chaos leben mussten.

Blick vom Balkon über die Lagune. Im Hintergrund der Strand von Faro . .

In diesen Tagen war das Wetter nachmittags sehr windig und für die Algarve ungewöhnlich kühl. Uns störte es nicht, wir hatten zu tun. Unter Deck und an Deck wurde alles für die Sommerpause vorbereitet.
Mit dem von Matthias geliehenen Feuchtigkeitsmessgerät (GMK 210, Fa Greisinger) wurde der Rumpf und besonders das Ruderblatt vermessen. Dabei waren die Werte des Unterwasserschiffs gegenüber dem Überwasserbereich erwartungsgemäß etwas erhöht. Das Ruderblatt wurde engmaschig mit Messpunkten versehen und dann gemessen. Da diese Werte sehr hoch ausfielen, wurden nach 4 Tagen einige Probebohrungen eingebracht: Das heiße Wasser spritzte uns nur so entgegen und lief und lief . . .
Selbst nach einem Tag tropfte es immer noch. Das Ruder wird nun Zeit haben, in der Wärme der Algarve etwas auszutrocknen.
Unsere Achterkajüte haben wir in diesen Tagen auch erleichtert. Dabei wurde unser altes Großsegel zerlegt und Teile davon verschenkt bzw. mit nach Hause genommen. So hat es die Chance auf ein 2. Leben als Tasche, Türstoppersäckchen, Sonnenschutz oder . .

Das angebohrte Ruderblatt . . .
Das vielmalig geflickte Segel wurde zerlegt . .
Miki und Karl freuten sich über ein großes Stück Segel . .

Auf der Dachterrasse des Faro Hotels mit dem Ria Formosa Restaurant wollten wir einen vorerst letzten Drink mit den Crews von Samji und Shuenga nehmen. Hier saß man hinter hohen Glasscheiben windgeschützt und hatte den perfekten Ausblick über Faro, den Bootshafen und die umliegenden Flachwassergebiete.
Dankeschön an den edlen Spender für Speis und Trank.
Wir hatten einige nette Stunden miteinander und verabschiedeten die beiden Crews in ihren Dinghis und planten jetzt schon das Wiedersehen, denn wir würden uns in den nächsten Monaten nicht so schnell wieder treffen.
Für uns begann am nächsten Tag die Vorbereitung des Rückfluges. Eine Busfahrt zum Flughafen zum Coronatest verlief ganz entspannt. An der Teststation bereitete der Papierkram dem Personal allerdings Probleme, da man meinte, mehrere Kunden gleichzeitig abfertigen zu müssen. Die eine Mitarbeiterin hatte mit ihren Kandidaten größere Probleme, da der Fall wohl komplizierter war. So musste unser Mann immer wieder aushelfen. Wir wurden nicht fertig und schließlich entdeckte Felix unseren falsch geschriebenen Nachnamen und E-Mail Anschrift auf dem Formular. Der Mann konnte nicht mal abschreiben, was für uns unangenehmen Ärger hätte nach sich ziehen können.
Immerhin bekamen wir unseren Negativbescheid wenige Stunden später, sodass der Heimreise nichts mehr im Wege stand.
Wir freuen uns nun, einige Wochen zu Hause bei der Familie zu verbringen. Danach geht es weiter zu neuen Zielen . . .

Festina lente gut gestützt und abgespannt . . .

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