Auf Rehatour nach Lanzarote . . .

Für unseren Törn nach Lanzarote hatten wir ein Wetterfenster ausgewählt, bei dem anstelle des NO-Passats NW Winde wehen sollten. Zwischen Teneriffa und Gran Canaria war noch ein weiteres Windfeld aktiv das mehr südliche Winde bringen sollte. Ein Verkehrstrennungsgebiet zwischen den Inseln hatte eine Durchfahrtsmöglichkeit, um den Schiffsverkehr nach Santa Cruz de Tenerife zu erleichtern. Der Plan war nun diese Durchfahrt zu nutzen, anstelle mit Nordkurs das Gebiet nördlich zu umfahren. Bald nach dem Verlassen des Hafens setzte sich schöner warmer Segelwind durch und wir konnten mit einem Schrick in den Schoten wunderbar segeln.

Die Windsituation zu Beginn der Reise. Die südlichen Winde hatten sich nördlicher ausgeweitet als vorher gesagt . . .
Für den Abend sollten sich NW Winde durchsetzen . .
Auf dem Weg durch das Verkehrstrennungsgebiet . .
Hier war viel Verkehr von und nach Gran Canaria . .


Nach 2 Stunden hatten wir die Grenze des Windfeldes erreicht. Gut 1,5 Stunden musste die Dieselgenua unterstützen, dann setzte sich das Hauptwindfeld durch. Meist liefen wir dann mit 4-6 kn Geschwindigkeit und moderatem Seegang.

Kurz vor Sonnenuntergang . .

So verging Stunde um Stunde. Wir segelten in eine ruhige sternenklare, helle Halbmondnacht mit meist um die 5 kn. Der wenige Schiffsverkehr hielt sich auf Abstand, sodass Funkanrufe nicht nötig waren. Gegen Morgen bekamen wir einen Funkruf der Küstenleitstelle mit, dass ein Gummiboot mit Flüchtlingen gesichtet worden war. Die Position war aber auf der südlichen Seite der Inselgruppe.
Am nächsten Morgen nahm der Wind etwas ab. Schließlich trieben wir nur noch mit 2,5 kn und schlagenden Segeln dahin, so musste der Diesel kurz vor Mittag wieder ran. Nachdem wir Lanzarote erreicht hatten, legte der Wind auf 5 Bft zu und es baute sich eine brechende Welle auf. Für unseren Plan am Playa Papagayo zu ankern war das sehr ungünstig. Bei soviel Wind auf Legerwall zu liegen, versprach eine unruhige Nacht.

Kurz nach Sonnenaufgang, später wurde ausgerefft. . .
Unterwegs gab es auch mal Besuch . .
für eine kleine Ruhepause . .
Die Papagayo-Küste nähert sich . .

Uns hatte unterwegs eine große Segelyacht überholt, die nun das gleiche Problem hatte. So sind wir auch um die Ecke gesegelt und haben schließlich an der Caleta del Congrio bei ablandigem Wind den Anker gefiert, mit 135sm im Kielwasser.
Zu diesem Zeitpunkt lagen dort nur Yachten mit deutscher Flagge. Unser Platz war für die Nacht ok, für größere Winddrehungen aber etwas eng. Später verließ noch eine Charteryacht ihren Platz, sodass die SY Annamera sich dort hinlegen konnte, als sie im letzten Büchsenlicht dort noch ankam.

Auf dem Weg in die Ankerbucht. Die SY Spirit, früher Kiel-Stickenhörn wirft den Anker vor uns in der Bucht . .
Der Wind hat sich abgeschwächt . .
Eine traumhafte Ankerbucht, wenn wir etwas mehr Raum zur Spirit hätten . .


Am nächsten Morgen sahen wir erst so richtig, an welch schönen Fleckchen Insel wir vor Anker lagen. Gelber Sandstrand, klares blaues Wasser. Trotzdem, wir hatten für den vorher gesagten Winddreher zu wenig Raum. So sind wir am späten Vormittag Anker auf gegangen und an die inzwischen ruhigere Papagayo Küste motort. Hier haben wir um Hochwasser in der Nähe einer Lavazunge den Anker wieder versenkt. Auch hier war es wunderschön. Viele Badegäste genossen den gelben Strand und das saubere Wasser.

Bei Hochwasser fühlten wir uns hier noch wohl . .
Blaues Wasser, gelbe Strände, einfach traumhaft . .

Im Laufe des Tages hatten sich noch weitere Boote in unsere Nähe gelegt. Nicht schön, aber die meisten würden über Nacht wieder in einen der nahe gelegenen Häfen fahren.
Felix hatte am Nachmittag bereits nach dem Anker und dem Kettenverlauf getaucht. Der Anker lag direkt am Heck eines Charterbootes von Lavacharter (Deutscher Vercharterer in Arrecife). Mit dem fallenden Wasserstand wurde es uns zunehmend ungemütlich so nah an der Lavazunge. Mit dem Handfunkgerät in der Hand zeigten wir unserem Nachbarn, mit ihm reden zu wollen. Zunächst keine Reaktion. Dann verschwanden die Damen unter Deck und die Männer wollten den Anker hoch holen. Wegen mangelnder Kommunikation und hektischer Motormanöver wurde zunächst mit der Kette nur der Bug verschrammelt. Nachdem noch einer der Männer mit Schnorchel und Maske ins Wasser sprang und Anweisung zum Kettenverlauf gab, konnten sie sich endlich befreien. Uns kam das lebensgefährlich vor, während der Mann dort schnorchelte, mit Bugstrahlruder und Maschine hektisch zu manövrieren. Jedenfalls haben die bayerischen Yachties (Wir konnten zeitweise den bayerischen Dialekt heraus hören) dann mit Vollgas Kurs auf den nächsten Hafen genommen.

Ein heimliches Foto bei dem chaotischen Anker aufholen . .


Danach haben wir unser Manöver begonnen. Dieses dauerte etwas länger, denn unsere Kette wurde durch mehrere Steine umgelenkt. Da war jeder Stein eine besondere Belastung für den Ankerbeschlag am Bug. Bei dem Manöver hatten wir schließlich noch einen Kettenstau in der Ankerwinsch, der durch kurze Demontage einer Abdeckung beseitigt werden konnte. Schließlich bemerkte Dörte, dass wir auf ein anderes Motorboot zutrieben. Ein sicheres Zeichen, dass der Anker frei war. Felix konnte die Kette händisch noch einige Meter hochziehen, während Dörte langsam von Küste und Ankerlieger weg fuhr. Nachdem alles aufklariert war, haben wir den Anker direkt vor dem Playa Papagayo erneut geworfen. Mit einem sicheren Gefühl konnten wir den Abend genießen und beruhigt schlafen. Ein Kontrolltauchgang am nächsten Tag ergab alles bestens, Anker und Kette lagen auf feinstem Sandgrund.
Bei moderaten Winden und sonnigem Wetter konnten wir entspannte Stunden verbringen. Wenn es uns zu warm wurde, schwammen wir einige Runden um unser Boot und duschten uns danach mit Frischwasser wieder ab.

Am Samstagvormittag kam SY Annamera vorbei, auf dem Weg zum Hafen von Rubicon . .

Wenn man so mehrere Tage vor Anker liegt, ergeben sich immer mal Situationen wo andere Bootsführer fast auf Tuchfühlung gehen wollen. Manchmal reicht es, gut sichtbar mit dem Kopf zu schütteln oder sie merken es selber. Bei hartnäckigeren Fällen kommt es auch schon mal zu Diskussionen. Dabei gilt die alte Regel, wer zuletzt kommt, der muss weichen. Wenn gar nichts geht, starten wir die Maschine und holen schon mal etwas Kette ein. Eine Kollision zu riskieren, würde einfach keinen Sinn machen. So eine Situation erlebten wir am Sonntag den 15. Mai. Das Motorboot hatte schon einen Tag vorher relativ nahe bei uns geankert, war dann aber gegen Abend wieder in den nächsten Hafen gefahren. An dem Sonntag hatte der Skipper noch ein jüngeres Paar dabei und warf seinen Anker noch näher bei uns. Uns gefiel das nicht, aber zunächst mussten wir damit leben. Einige Stunden später drehte der Wind und frischte etwas auf. Wir drehten uns um 45m Kette, das Motorboot um 20m bei 8 m Wassertiefe. Da blieb es nicht aus, dass wir uns gefährlich nahe kamen.

Das Motorboot kam uns immer näher . .

Nachdem wir mehrfach gerufen hatten, kam endlich ein Kontakt zustande. Der Skipper meinte zunächst unser Anker würde nicht halten. Unser Einwand, wir lägen schon 3 Tage an dem Platz, schien ihn anfangs nicht zu interessieren. Nachdem auf dem Boot nichts gravierendes passierte, haben wir schließlich die Maschine gestartet und einige Meter Kette eingeholt. Daraufhin versuchte der Skipper seinen Anker mit Motorkraft weiter von uns weg zu ziehen. Zwischendurch rief er uns zu, dass 45m Kette zu viel seien. Nach einem Schnorcheltauchgang ließ er noch einige Meter ins Wasser, danach war der Abstand wieder akzeptabel.

Eifrige Geschäftigkeit auf dem Motorboot . .

Als er am späten Nachmittag den Ankerplatz verließ, haben wir ihn nur mit Nichtbeachtung bestraft. Letztlich hat Felix die Kette wieder gefiert. Erwartungsgemäß waren wir bei Einbruch der Dunkelheit nur noch wenige Boote, das Wochenende war zu Ende.

Die Abendsonne geht hinter einem Vulkanhügel unter . .

Am nächsten Morgen haben wir uns dann in der Marina Rubicon angemeldet. Mit ein bisschen Wehmut sind wir zeitig Anker auf gegangen. Schöne Tage an einem der besten Ankerplätze der Kanaren waren damit erstmal vorbei . . .


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