Gomera, fluchtartig verlassen . .

Nach einer Nacht im Hafentiefschlaf bekamen wir von unseren Kieler Freunden am späten Samstagvormittag Besuch. Corona bedingt hatten wir in den letzten Jahren wenig Kontakt, da gab es viel zu erzählen. Nach einem Käffchen an Bord mit Annekatrin und Stefan mussten wir erstmal einkaufen gehen, denn wir hatten erfahren, für die Canarios stand ein langes Wochenende an, denn am Montag dem 30.05. würde die erste unabhängige Parlamentssitzung (30.05.1983) mit einem arbeitsfreien Tag wieder gefeiert. So haben wir unsere Vorräte aufgefüllt, uns am Plaza de La Concepcion etwas gestärkt und haben dann noch einen Spaziergang oberhalb von San Sebastián bis zum Leuchtturm Faro de San Cristobal gemacht.

Lockere Stimmung an Bord . .
Trotz einigen Wolken ist der Teidegipfel frei . .

Irgendwie war uns die Zeit davon gelaufen, denn bald war es so spät, dass die beiden die Rücktour ins Valle antreten mussten, um das letzte Tageslicht für die kurvenreiche Fahrt zu nutzen.

Mit einem eigenen Mietwagen sind wir 2 Tage später zum Gegenbesuch gestartet. Es war schön, mal wieder über die Insel zu fahren und die einzelnen Felsen mit ihren Aussichtspunkten zu sehen. Bei fast wolkenlosem Himmel wirkte der Nebelwald einladend. Angekommen im Valle Gran Rey, haben wir zunächst das Hotel Gran Rey aufgesucht, wo die beiden wohnten. Mit eigener Poolanlage und direkt am Badestrand gelegen, konnte man es hier gut aushalten. Nach einem Kaffee in der Hotelbar beim Pool, haben wir den Ort erkundet und die ganze Promenade am Playa de Valle Gran Rey bis zum Hafen abgelaufen. Hier fiel uns besonders auf, dass in der Ankerbucht nur 2 Boote schwojten. Der Durchgang zur Finca de Argayall war nun durch hohe Zäune abgesperrt, sicher das Ergebnis des Felssturzes vom November 2020, wo große Felsmengen nach anhaltendem Regenfall abgestürzt waren und den Weg versperrt hatten.
Nach einem späten Mittagsimbiss in einem der Lokale beim Hafen haben wir uns auf den Rückweg gemacht und mussten zusehen, wie Wolken begannen sich zusammen zu ziehen. Letztlich haben wir nach einem Kaffee die Rückfahrt vorzeitig angetreten, denn die Luft wurde immer feuchter.

Ein beschauliches Plätzchen direkt am Hoteleingang . .
Blick auf das Valle Gran Rey, kurz unterhalb der Wolkendecke . .

Auf der Fahrt hoch in die Berge tauchten wir bald in die tief hängenden Wolken ein, es begann zu regnen. Erst kurz vor San Sebastián riss die Wolkendecke wieder auf, wir bekamen noch die Reste von blauem Himmel zu sehen.
Am nächsten Tag hatten wir mit unserer Fahrt in den Norden der Insel nach Hermigua mit dem Wetter Pech. Bald zogen sich Wolken zusammen, es begann zu regnen.

Die Überreste einer alten Ladebrücke für den Bananentransport . .

Da haben wir eilig die Heimfahrt angetreten und das Auto vorzeitig zurück gebracht. Es stand ein Entspannungstag an Bord und in der Badebucht an, denn wir spürten die vielen Aktivitäten der letzten Tage noch in den Knochen.
Für das Wochenende hatte Dörte noch eine Wanderung auf den heiligen Berg Gomeras Fortaleza de Chipude ausgewählt. Dazu hatten wir ab Samstag ein Auto angemietet.
Nun muss man sagen, dass wir parallel natürlich die Wettervorhersage laufend verfolgt haben, denn unser Sliptermin am 17.06. kam auch immer näher. So hatten wir den Plan, einen Abstecher nach El Hierro zu machen, auch schnell wieder verworfen, denn die Windentwicklung sollte in dem absehbaren Zeitraum zunehmend Starkwind zwischen den Inseln bringen. Bei Winden von 20 m/s oder 40 kn würden wir kein Zeitfenster für die Fahrt nach La Palma finden.

Vorhersage für den Samstag, da waren wir schon unterwegs . .
So oder so ähnlich sollte es ab Sonntag jeden Tag aussehen . .


So haben wir an dem letzten noch mit 6 Bft vorhergesagten Tag, dem Samstag den 04.06.22 morgens Hals über Kopf alle Planungen gestoppt, das Hafengeld bezahlt, den Leihwagen abgesagt und uns in Tazacorte angemeldet.
Kurz vor uns war eine andere deutsche Yacht ausgelaufen mit einem Einhandsegler der erst 2 Tage vorher an Bord gekommen war und sein Großsegel noch nicht angeschlagen hatte. Scheinbar wollte er nach Teneriffa.

San Sebastián liegt achteraus . .


Gegen 9.45 sind wir dann gestartet. Bekamen sehr schnell achterliche Winde und Fallwinde die durch die Barranco‘s pfiffen. Zunächst haben wir nur das kleine Vorsegel ausgerollt. Bald nachdem wir das 2fach gereffte Großsegel gesetzt hatten, passierte der erste Sonnenschuss, Dörte konnte das Boot nicht mehr auf Kurs halten. Das Großsegel wurde wieder geborgen und ein 3. Reff vorbereitet. Nachdem der Wind ab Playa Santiago dann von vorn kam, musste der Diesel mithelfen.

Der flache heilige Berg, von der Seeseite gesehen . .

Später bekam der Diesel durch einen leichten SW-Wind etwas Unterstützung. Gegen 13.00 Uhr hatten wir das Valle Gran Rey quer ab. Der Wind war plötzlich weg. Mit 3 fach gerefftem Großsegel und Maschine liefen wir Kurs La Palma. Es dauerte nicht lange, da sahen wir weit voraus schon weiße Schaumköpfe auf dem Wasser, Wind sollte kommen. Und dann kam er, böig und viel zu vorlich. 60 Grad am Wind und in den Böen über 30 kn. Das kleine Vorsegel wurde noch weiter eingedreht und 10 Grad abgefallen sind wir auch. Dörte steuerte lieber von Hand und bekam dafür manche Dusche ab. So stark um die Insel herumlaufende Winde hatten wir noch nicht erlebt.

Das Vorsegel eingedreht, das Großsegel im 3. Reff . .
waren wir mit 7-8 kn unterwegs. . .


2 Stunden später hatte sich die Situation entspannt. Der Wind hatte weiter NNO gedreht und auf 20 kn abgenommen. Seegang um die 2m hatten wir weiterhin, manchmal lief auch eine 2,5m Welle unter dem Boot durch. Das Ganze bei Sonnenschein, blauem Himmel und angenehmen Temperaturen.

Segeln vom Feinsten . .

So lief es weiter bis wir kurz vor 18.00 Uhr an der Südspitze von La Palma angekommen waren. Hier bekamen wir die Acceleration (Windverstärkung) nochmal ordentlich zu spüren. Selbst als wir uns bereits im Westen der Insel befanden, erfassten uns noch einige Böen, die über die Berge wehten.


Nach einer kurzen Windpause setzte sich eine westliche Brise durch, die uns zusammen mit einem Neerstrom bis kurz vor Tazacorte segeln ließ. Hier haben wir gegen 20.30 die Segel geborgen. Der Marinero war nach einem Funkanruf etwas irritiert, er hatte mit einem anderen Boot gerechnet. Unsere E-Mail war wohl nicht bis zu ihm durchgedrungen, geantwortet hatte auch niemand, es gab wohl Stress im Hafenbüro.
Wir konnten uns einen neuen Liegeplatz auswählen und waren froh wieder in unserem Lieblingshafen angekommen zu sein.

Der Leuchtturm bei La Bombilla ist schon auf einer alten Lavazunge erbaut, nun kommen ihm 2 neue bedrohlich nahe . .
Wir erreichen die Marina Tazacorte im letzten Abendlicht . .


Später stellte sich heraus, das andere erwartete Boot war der Einhandsegler. Da er ohne aktives AIS unterwegs war, konnten wir ihn auf seinem Weg nördlich um Gomera nicht verfolgen. Er kam jedenfalls spät abends im Hafen an, als wir auf dem Weg in die Koje waren . .


2 Gedanken zu “Gomera, fluchtartig verlassen . .

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