Es wird Sommer auf La Palma . .

In der ersten Woche in Tazacorte ließen wir es etwas ruhiger angehen. Bei dem warmen Wetter hatten wir auf Wanderungen keine Lust und sind lieber an den Strand gegangen. Vorher wurden die ersten Vorbereitungen auf die Landliegezeit des Bootes erledigt. Dabei bekamen zB die Segel auch eine Süßwasserdusche bevor sie ordentlich zusammen gelegt wurden.

Bei sanfter Briese von vorn trocknet das Segeltuch bald wieder . .


Das Seewasser dürfte so 21/22 Grad gehabt haben, also genau richtig, um täglich schwimmen zu gehen. Wenn die See durch Strömung und Brandung nicht so einladend war, sind wir im Hafen geschwommen. Es ging mächtig auf den Sommer zu, die Strandbesucher wurden immer mehr und die Restaurants konnten sich über steigende Gästezahlen freuen. Selbst die Walbeobachtungsschiffe fuhren wieder häufiger raus.

Relaxing im schwarzen Sand . .

Im Hafen selbst wurde es langsam immer übersichtlicher, da doch einige Boote noch mit Kurs Madeira oder Azoren auf Törn gingen. Dabei war auch eine belgische Crew, die den Vulkanausbruch im Hafen miterlebt hatte. Obwohl sie die Technik an Bord gesäubert und geprüft hatten, kamen sie wenige Stunden nach ihrer Abfahrt in den Hafen zurück. Das Roll-Großsegel ließ sich nicht ordentlich ein und ausrollen, die Schotwinschen waren noch nicht so leichtgängig wie früher.
In den folgenden Tagen wurde von ihnen der Antrieb des Großsegels ausgebaut und intensiv gespült. Dabei kam noch weiterer Vulkanstaub zu Tage. Auch die Winschen mussten komplett zerlegt werden. Uns überraschte das nicht, wir hatten ähnliches zB von der SY Aplysia gehört.
Einige Tage später sind sie dann wieder gestartet. Obwohl es im Hafen kräftig aus N wehte, hatten die beiden nach wenigen sm mit Schwachwind und Gegenstrom zu kämpfen. Da bei diesem Törn die Rollanlage des Kutterstags Probleme machte, sind sie wieder umgedreht, um alles in Ordnung zu bringen. Wir fanden nebenbei das Wetterfenster auch nicht mehr so toll.
Nach entsprechender Vorbereitung enterte der Skipper den Mast hinauf und änderte die Position der Fallumlenkung, damit das Fall sich nicht wieder um das Stag wickeln sollte (Das Fall sollte unter einem 15 Grad Winkel auf das Stag oder die Rollanlage auftreffen).
Danach haben die beiden den nächsten Versuch wetterbedingt erstmal zurück gestellt.

Für den 11.06.22 hatten Plakate das Fiesta Hawaianer mit verschiedenen Musikveranstaltungen in Tazacorte angekündigt.
In Puerto Tazacorte spielte eine Trommlergruppe ihre etwas eintönigen Musikstücke. Wir haben uns bald zurück gezogen, denn aus der Nähe mochten wir die Geräuschkulisse nicht so lange ertragen.

Die Badakatun-Band in voller Aktion . .
Fröhliche Stimmung bei den Zuschauern . .

Ab Sonntag hatten wir uns einen Leihwagen gemietet. Während Corona machten wir mit PlusCar einige Male gute Erfahrungen. Als wir nun einen Kleinwagen für die restlichen 10 Tage über das Internet buchen wollten, machten sie uns zunächst ein günstiges Angebot. Einen Tag später war leider kein Kleinwagen mehr verfügbar. Aber für 100 Euro mehr hätten wir ein größeres Fahrzeug bekommen können. Nein danke, so nicht.
Bei Cicar bekamen wir dann einen fast neuen Opel Corsa in Santa Cruz/La Palma. Da wir zur Abholung bereits auf die Ostseite der Insel mit dem Bus gefahren waren, hatte Dörte eine Wanderung in den Wäldern von Los Tilos ausgesucht. Nach ca 20 km Fahrt erreichten wir diese extrem wald- und wasserreiche Gegend im Nordosten der Insel, wo viele Quellen entspringen und so Bewohner und landwirtschaftliche Anbauflächen versorgen. Wir waren hier bisher vorbei gefahren, insbesondere weil das im Winter eine sehr feuchte Angelegenheit sein kann. Im Sommer sind die Wege trockener, es regnet nicht so oft. Zunächst haben wir in Los Tilos das Besucherzentrum angesehen und schon einen Überblick bekommen. Die eigentliche Wanderung führte durch üppigen Lorbeerurwald auf einem Forstweg durch das Biossphärenreservat bis zu einem Aussichtspunkt, dem Espigon Atravesado, von dem man einen weiten Überblick über die Schluchten des Barranco del Agua hatte. Auf dem Rückweg sind wir dann noch für einen Kaffee in einem Openair-Restaurant beim Besucherzentrum eingekehrt.

Wild wuchernder Urwald . .
Riesige Farne hängen lianenartig von den Bäumen herunter . .
Am Ziel angekommen: Weiter Blick über das Barranco del Agua . .
Auf dem Rückweg war wegen aufgelöster Wolkenschicht deutlich mehr Licht im Tunnel . .

Die Fahrt mit dem Opel Corsa hatte noch einige Nachwirkungen für uns. Mit der eingebauten Klimaanlage kamen wir zunächst nicht zurecht. Die Automatik blies derart viel kühle Luft in den Fahrgastraum, dass Dörte bald Verspannungen im Hals/Rückenbereich bekam. Erst nachdem wir manuell die Lüftung herunter und die Temperatur hochgeregelt hatten, wurde es erträglich. Felix spürte die Folgen erst am nächsten Tag, dafür aber umso länger. Fast eine Woche hat er schmerzstillende und entspannende Medikamente genommen, da er nachts wegen der Schmerzen nicht schlafen konnte.
Wir waren froh mit der Vorbereitung des Bootes schon soweit gekommen zu sein, denn bei den warmen Temperaturen (30-34Grad) ließ unser Arbeitseifer deutlich nach.
Einen nicht erwarteten Besuch hatten wir in der Woche noch. Die 2 Uniformierten waren von der Policia National und interessierten sich für unsere Ausweise, dem woher und wohin, und unsere Aufenthaltsdauer. Erfreulicherweise waren wir auf solche Begegnungen vorbereitet, denn wie viele andere Staaten auch, gilt in Spanien die 183 Tage Regel. D.h. Wer sich mehr als 183 Tage im Lande aufhält, muss sich in der Regel als Resident anmelden. Das kann erhebliche steuerliche Folgen haben und viele Gäste vermeiden das lieber. Wir auch. Die Herren waren aber sehr nett und sagten ganz deutlich, dass die deutschen Gäste sehr willkommen seien.
Am Freitag den 17.06.22 war dann der Sliptermin. Bei ruhigem Wetter lagen wir morgens am Steg, hatten alles gut vorbereitet, und warteten auf das Zeichen in die Kranbucht einfahren zu können. Olmo, der Hafenchef, bediente den Portalkran persönlich. Nach 2 Anläufen rückwärts in die Kranbucht reinzufahren, die Strömung ließ den Bug immer wieder ausbrechen, erreichten wir schließlich mit Landleinen-unterstützung die Bucht. Das Boot wurde mittig ausgerichtet und die Gurte zogen an. Obwohl wir das schon häufig gemacht haben, der Moment wo das Boot über dem Wasser schwebt und wir noch an Bord sind, macht uns immer noch ein mulmiges Gefühl. Bis dann das Kommando zum Verlassen des Bootes kam. Von helfenden Händen unterstützt, 2 Schritte über die seitlich übergelegte Leiter und wir waren auf festem Grund.

Das Boot beginnt über dem Wasser zu schweben . .
Die Farbe des Unterwasserschiffs hat sich dem Streifendesign angepasst, perfekt . .

Es stellte sich bald heraus, auf dem (Unterwasser)Rumpf wuchs ein grüner Pelz. Die Seemeilen der letzten Wochen hatten das nicht verhindern können.
Bei der nachfolgenden Reinigung des Rumpfes drückte der Werker mit seinem Hochdruckstrahl die Gummimembran am Saildrive deutlich höher als sonst. Dabei kam eine Korrosionsstelle zum Vorschein. Grund genug die Gummimembran einmal komplett zu entfernen. Erfreulicherweise kamen aber keine weiteren Fehlstellen zu Tage. Am Ruder wurden auch wieder die alten Entwässerungslöcher geöffnet. Es kam etwas Wasser getropft, aber kein Vergleich zu letztem Jahr. Die Abdichtung hatte funktioniert.

Der Werker war so emsig, er wollte gar nicht wieder aufhören . .
Später konnten wir eine Fehlstelle am Saildrive frei legen . .


Abends hatten wir uns noch mit Regula und Thomas verabredet. Sie waren nach einem längeren Heimaturlaub in der Schweiz wieder auf der Insel zurück. 5000km mit dem Auto plus Fährüberfahrten. Bei einem guten Stück Fisch im Playa Mont konnten die beiden viel erzählen. Übrigens, an diesem Restaurant sind wir in den letzten Jahren schon diverse Male vorbeigelaufen. Nachdem wir jetzt mehrfach eine positive Empfehlung bekommen haben und es uns dort auch gut gefiel, können wir sagen, wir kommen wieder.

Gute Fischgerichte im Playa Mont . .
Aufregung in der Nacht. Dieses Motorboot drohte nach massiver Grundberührung mit Sonargeber voll zu laufen. Schnell aus dem Wasser gehoben . .

An das Leben auf dem Hardstand konnten wir uns schnell wieder gewöhnen. Wenn auch der sanitäre Komfort deutlich reduziert war, es hatte auch seine guten Seiten. Der Blick über den Hafen, im Cockpit die letzten Sonnenstrahlen genießen, während die Boote im Wasser bereits im Schatten lagen, das hatte schon was.
Bei 34 Grad haben wir das Boot und Tazacorte dann verlassen.

Festina lente abgedeckt und verlassen . .

Auf der Fahrt zur Ostseite der Insel hatten wir dieses Mal eine besonders ausgeprägte Wolkenwalze über der Vulkankante, ein sicheres Zeichen für viele Wolken auf der Ostseite der Vulkankette. Es gab einen Temperatursturz auf um 20 Grad und nieseliges feuchtes Wetter. Der letzte Abend im Hotel in Los Cancajos sah nicht nach Urlaub aus, die wenigen Leute liefen in Regenzeug herum. Waren wir noch auf La Palma? Aber dieses Wetter gehört mit zu dieser Inselseite dazu. Am nächsten Morgen fuhren wir entspannt zum Flughafen, gaben den Leihwagen ab, und am Check-in Schalter das Gepäck. Der Rückflug konnte starten.

So eine mächtige Wolkenwalze haben wir auf La Palma noch nicht gesehen . .


Wir waren gespannt und voller Vorfreude auf zu Hause und die Familie . . .


3 Gedanken zu “Es wird Sommer auf La Palma . .

  1. Wieder einmal ein sehr blöder Bericht. Wir sind auf unserer Sommerreise von 9 Wochen. Liegen zur Zeit in Lauterbach auf Rügen. Gruss Karin u Ingo

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